DSJ: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Turnfest gewinnt mit Toleranz und Weltoffenheit
DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl verwies zu Beginn des Internationalen Deutschen Turnfests in Leipzig während einer Pressekonferenz auf die lange Zeit der Vorbereitung. „Wir haben acht Jahre gebraucht, bis wir es nach Leipzig geschafft haben. Das Turnfest sollte ursprünglich schon im Jahr 2021 Leipzig zur Hauptstadt des Turnsports machen, jedoch wurde dieses Vorhaben aufgrund der pandemischen Lage ausgebremst. Turnfeste ermöglichen in einer einzigartigen Weise eine Kombination aus Begegnung und Sport, denn nur bei einem Turnfest gibt es das, dass eine Stadt komplett im Zeichen des Sports - des Vereinssports - steht, sagte Hölzl und verwies auf die vereinenden Kräfte, die durch Sport und Bewegung freigesetzt werden können. „Aus meiner Sicht ist das gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Das Internationale Deutsche Turnfest steht für Toleranz und Weltoffenheit.“
Mehr als 80.000 Teilnehmende und viele zusätzliche Besucher*innen reisten in der vergangenen Woche nach Leipzig und wurden dort von den insgesamt 3.500 Volunteers mit Informationen und vielem mehr versorgt. Sie nahmen an Wettkämpfen teil, besuchten Veranstaltungen als Zuschauende oder nahmen an Fortbildungen, Vorträgen und verschiedenen Veranstaltungen teil. Eine von ihnen war DOSB-Vorständin Michaela Röhrbein, beim DOSB zuständig für den Bereich Sportentwicklung. Sie absolvierte in Leipzig ihren ersten Wahlwettkampf als Teil einer Trainingsgruppe. Diese Erfahrung habe sie in ihrer beruflichen Überzeugung bestärkt: Sportentwicklung beginnt immer mit Beziehung, Vertrauen und Verlässlichkeit.
„Beim Turnfest wurde einmal mehr deutlich, was wir im Sport wirklich bewegen: Menschen, Gemeinschaft, Haltung“, postete Röhrbein im Anschluss auf ihrem LinkedIn-Profil.
Die wichtigsten Antworten zur deutschen Olympiabewerbung
Deutschland möchte sich erneut um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben und das größte Sportevent der Welt nach München 1972 endlich wieder ins eigene Land holen. Der DOSB hat den Prozess dazu vor mehr als zwei Jahren angestoßen, nun liegen die ersten Konzepte von vier Bewerbern vor.
Wer sich bewirbt, was in den Konzepten steht und wie es weitergeht: Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
1. Welche Städte und Regionen haben Interesse an der Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele?
Vier Städte und Regionen haben Ende Mai fristgerecht ihre ersten Konzepte für Olympische und Paralympische Spiele beim DOSB eingereicht. Mit Berlin, Hamburg, München und der Rhein-Ruhr-Region stehen die drei einwohnerstärksten Städte sowie die größte Metropolregion Deutschlands als Bewerber um die Spiele in Deutschland in den Startlöchern. Beworben werden soll sich um die Sommerspiele 2036, 2040 und 2044. Die Flexibilität ist wichtig, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch nicht entscheiden hat, in welchem Jahr die Spiele wieder nach Europa gehen sollen - und dann gilt es für Deutschland, bereit zu sein.
Neben den Bewerberstädten und -regionen haben Vertreter*innen aus den vier Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein sowie zahlreiche Oberbürgermeister ihre Unterstützung für die Bewerbungspläne des DOSB signalisiert.
Bundesweites Webinar zu den „Sternen des Sports“
Diese und weitere Fragen hat ein zentrales, bundesweites Webinar am Mittwoch, den 4. Juni 2025 von 18.00 bis 19.00 Uhr beantwortet. Das Angebot richtete sich an alle Sportvereine in Deutschland, die sich über den Wettbewerb informieren und ihre Bewerbung noch bis zum Stichtag 30. Juni 2025 einreichen möchten.
Inhalte:
- Vorstellung des Wettbewerbs „Sterne des Sports“
- Der optimierte Bewerbungsprozess
- Ablauf und nächste Schritte
- Gute Beispiele aus der Praxis
- Tipps für eine gelungene Bewerbung
- Fragerunde und Austausch
- Hinweise zum Community-Kanal
Die vorgestellte PowerPoint-Präsentation im Rahmen des Seminares findet ihr hier:
Weltcup München: Live im Stream bei BR & Sportdeutschland.TV
FITASC Dornsberg: Johannes Kesselstatt holt sich Titel zurück
Zukunft gemeinsam gestalten: Sportentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe neu denken
Am 3. und 4. Juni 2025 trafen sich über 60 Sportentwickler*innen aus rund 40 Mitgliedsorganisationen des DOSB zum zweiten Präsenztreffen des Sportentwickler*innen-Netzwerks im Haus des Sports in Frankfurt am Main. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Vorjahr lag auf Einladung und unter der Moderation von Vorständin Michaela Röhrbein der diesjährige thematische Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung von Vereinen und Verbänden.
Die zweitägige Veranstaltung bot den Teilnehmenden eine Plattform, um sich intensiv über aktuelle Herausforderungen, zukunftsweisende Strategien und innovative Ansätze im organisierten Sport auszutauschen. Ziel war es, voneinander zu lernen, Synergien zu schaffen und praxisrelevante Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.
Zum Auftakt des Treffens setzte Stefan Kermas (Train your Business) mit seinem inspirierenden Impulsvortrag wichtige Akzente. Mit einem klaren Blick auf die Schnittstelle zwischen Haupt- und Ehrenamt gab er Denkanstöße für eine zukunftsfähige Organisationskultur. Besonders eindrucksvoll war sein Plädoyer für den Wandel hin zu sogenannten Pfirsichorganisationen - Strukturen, die durch Offenheit, Vertrauen und sinnstiftende Zusammenarbeit überzeugen.
Konkrete Einblicke aus der Praxis lieferten anschließend Vertreter*innen des organisierten Sports. Der Hessische Turnverband (Charly Rokoss), der Deutsche Skiverband (Thomas Braun & Patricia Finster) sowie der LandesSportBund Niedersachsen (Marco Lutz) stellten innovative Ansätze zur Weiterentwicklung ihrer Verbandsstrukturen und Vereinsberatungsangebote vor. Ihre Beispiele zeigten eindrucksvoll, wie Veränderungsprozesse gelingen können - praxisnah, mutig und mit einem klaren Fokus auf die Zukunftsfähigkeit des Vereinssports.
Rangliste & EM-Qualifikation Suhl: Pistolenschützen am Start
UV-Schutz im Sport nimmt Fahrt auf
Sonnenschein, blauer Himmel und Hochbetrieb auf dem Sportplatz: Kurz nach Mittag wärmen sich Nachwuchstalente für ihre Wettbewerbe auf. Schattenplätze sind rar, das Sonnenbrand-Risiko ist hoch - und durch den Klimawandel nimmt das noch weiter zu. Damit solche Situationen seltener werden, bieten der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Vereinen und Verbänden die Broschüre „Praxistipps zum UV-Schutz“ an. Darin geht es um gut umsetzbare Sonnenschutzmaßnahmen - wie der Anzeige des UV-Index bei Turnieren und Wettkämpfen.
BfS-Präsidentin: Kinder tragen ein besonders hohes Gesundheitsrisiko durch UV-Strahlung
„Gerade Kinder tragen bei unzureichendem Schutz ein besonders hohes Gesundheitsrisiko, da ihre Haut und ihre Augen ganz besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlung sind. Sonnenbrände im Kindesalter erhöhen beispielsweise das Hautkrebsrisiko um das Zwei- bis Dreifache“, sagt BfS-Präsidentin Inge Paulini. Das BfS werbe seit einiger Zeit verstärkt dafür, den UV-Schutz auch in die Planungen von Sportclubs aufzunehmen. „Das Thema nimmt Fahrt auf. Vereine fragen aktiv Infos bei uns an“, bilanziert sie.
Der DOSB weist darauf hin, dass der UV-Schutz immer mitgedacht werden sollte. „Auch der Sport ist vom Klimawandel betroffen. Zu den direkten klimabedingten Gesundheitsrisiken zählen Hitzerisiken, Risiken durch Extremwetterereignisse sowie die UV-Strahlung. Mit der Broschüre Praxistipps zum UV-Schutz zeigen wir Maßnahmen auf, wie sich alle am Sport beteiligten Personen wie z.B. Sportler*innen, Zuschauende, Kampfgerichte bei UV-Belastung verhalten sollen. Wer viel draußen trainiert, sollte vorab stets den Wetterbericht inklusive UV-Index prüfen und sich ausreichend vor der Sonne schützen“, fasst Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung des DOSB, zusammen.
„Es geht allen darum, die Spiele endlich wieder nach Deutschland zu holen“
DOSB: Stephan, dem DOSB liegen vier spannende Konzepte für eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele vor, die Medien berichten bundesweit ausführlich. „Plötzlich wollen alle Olympia“ las man vergangene Woche in der BILD - was bewirkt eine solche Schlagzeile aus deiner Sicht?
Es gehört glücklicherweise nicht zu meinen Aufgaben, die Auswirkungen medialer Schlagzeilen zu analysieren. Aber ich finde, dass es für den Sport weitaus Schlimmeres gibt als den Fakt, dass die vier bevölkerungsreichsten Städte unseres Landes und acht der 16 Bundesländer mit großer Überzeugung die Olympischen und Paralympischen Spiele ausrichten wollen. Das ist ein starkes Zeichen für die Olympische Bewegung in Deutschland. Und dafür, dass der gesamtgesellschaftliche Mehrwert, den modern und nachhaltig gestaltete Sportgroßveranstaltungen auslösen können, stetig wachsende Anerkennung erfährt. Mich „stört“ lediglich das Wort plötzlich in der Schlagzeile.
Wieso?
Weil der Status Quo kein plötzliches Zufallsprodukt ist, sondern das erfreuliche Zwischenergebnis eines langfristig angelegten Prozesses. Als sich der DOSB Ende 2022 auf den Weg gemacht hat, einen erneuten Bewerbungsversuch anzugehen, war die Ausgangslage durchaus noch eine andere. Nach sieben, zählt man die Rhein-Ruhr-Initiative für 2032 dazu, erfolglosen Bewerbungsversuchen hat nicht sofort jeder gerufen „Hurra, versuchen wir es ein achtes Mal“, als die Idee bekannt wurde. Deshalb war es richtig und wichtig, dass sich der DOSB für den neuen Anlauf Zeit genommen und zunächst einmal in Gesellschaft, Politik und selbst den eigenen Strukturen Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit geleistet hat. Wir mussten auf vielen Ebenen glaubwürdig aufzeigen, dass vor allem der langfristige Reformprozess beim IOC bis hin zur Agenda 2020+5 dazu führen wird, dass Olympische Spiele der Zukunft anders aussehen können. Dass sich diese „neuen Spiele“ dem Gastgeber anpassen. Und nicht mehr - so wie noch bei den letzten deutschen Anläufen der Fall - der Gastgeber den Spielen. Wenn ich dann jetzt so eine Schlagzeile lese, denke ich, dass diese Überzeugungsarbeit ihren Teil dazu beigetragen hat. Aber vor allem haben uns auch die vielen erfolgreichen Sportgroßveranstaltungen in Deutschland der vergangenen Jahre, wie die European Championships 2022, die Special Olympics World Games 2023 und die Fußball-EM 2024, geholfen. Und natürlich die Spiele von Paris im vergangenen Jahr, die für viele Menschen den eindrucksvollen Nachweis erbracht haben, dass es tatsächlich möglich ist, Olympische und Paralympische Spiele als urbanes, kostenreduziertes und nachhaltiges Event auszurichten.
Bis Herbst 2026 soll final entschieden sein, mit welcher Stadt bzw. Region sich der DOSB bewerben wird. Was sind die wichtigsten Arbeitsthemen, die nun in den kommenden Wochen und Monaten vor dir und deinem Team in der Stabsstelle Olympiabewerbung liegen?
Unsere Kernaufgabe der nächsten Monate ist es, die eingereichten Konzepte zum einen auf die Erfüllung der operativen Mindestanforderungen zu überprüfen. Also rein objektiv festzustellen, ob die Durchführung der Spiele auf Grundlage der vorliegenden Konzepte in den Bewerberregionen überhaupt möglich ist. Zudem werden wir in enger Abstimmung mit den Olympischen Verbänden und den Bewerberregionen schauen, ob und wie man die Konzepte weiter optimieren kann. Gerade auch schon mit Blick auf den internationalen Wettbewerb. Wir sind ehrgeizig und wollen am Ende des nationalen Prozesses bestenfalls vier Konzepte haben, die auch im internationalen Wettbewerb gewinnen können. Darüber hinaus müssen wir die Konzepte in den kommenden Monaten auch mit einem Preisschild versehen, sprich die jeweiligen Durchführungsbudgets definieren. Diese Aufgabe übernehmen wir, damit die sogenannten OCOG-Budgets der vier Konzepte vergleichbar und nachvollziehbar sind. Zudem müssen bis zur Mitgliederversammlung im Dezember die nationale Vision einer deutschen Bewerbung sowie die Bewertungsmatrix für die finale Auswahl des deutschen Bewerbers fertiggestellt werden. Langweilig wird es uns also auf keinen Fall.
Wie groß ist dein Team, in welche Kernbereiche seid ihr aufgeteilt?
Mittlerweile arbeiten sechs Kolleg*innen in der Stabsstelle Olympiabewerbung, aufgeteilt in die Bereiche Projekt- und Kommunikationsmanagement. Aber eine solche Bewerbung liegt ja sozusagen in der DNA des DOSB, deshalb arbeiten tagtäglich viel mehr Haupt- und Ehrenamtliche an der Umsetzung. Die Stabsstelle ist dabei der zentrale Maschinenraum, in dem viele Dinge zusammenlaufen und für die Entscheidungsgremien und Mitgliedsorganisationen entwickelt werden.
Du arbeitest sehr viel im Hintergrund daran, das Thema Olympische Spiele in der Gesellschaft zu verankern. Kannst du beziffern, wie viele Termine du dafür pro Monat oder Jahr absolvierst, und worauf kommt es dabei besonders an?
Um das exakt sagen zu können, müsste ich meinen Kalender der vergangenen drei Jahre durchforsten. Aber so drei- bis vierhundert interne und externe Präsentationen und Diskussionsrunden dürften da allein bei mir sicher zusammengekommen sein. Neben den digitalen Maßnahmen, die wir umgesetzt haben, war und ist diese persönliche Überzeugungsarbeit, die nicht nur ich, sondern viele andere Ehrenamtliche und Hauptamtliche täglich leisten, ganz besonders wichtig. Das haben erst in der vergangenen Woche wieder einige Fragen am Rande der Konzeptpräsentationen gezeigt.
Was meinst du damit?
Dass sich der Weg zu den Spielen und die Durchführungsmöglichkeiten extrem verändert haben und sich gerade auch unseren Bewerbern ganz andere Möglichkeiten bei der Planung und Umsetzung bieten, ist längst noch nicht überall angekommen. Wir haben in Bezug auf die zahlreichen positiven Auswirkungen der Olympic Agenda 2020 und 2020+5, wie beispielsweise die Reduzierung der Bewerbungs- und Durchführungskosten, noch nicht die kommunikative Durchdringung erreicht, die wir brauchen. Daran müssen und werden wir weiterarbeiten, gerade auch mit Hinblick auf die Referenden in den Bewerberregionen. Dabei geht es nicht um billige PR oder Werbung für Olympische und Paralympische Spiele, sondern um einen ehrlichen Austausch auf Augenhöhe. Wenn jemand nach einer ehrlichen Diskussion und dem Austausch von Argumenten für sich sagt, er ist trotz der Verbesserungen weiterhin gegen Spiele in Deutschland, dann ist das natürlich absolut legitim. Aber das war in den zurückliegenden Jahren eher selten der Fall und wird jetzt, da die vier Konzepte vorliegen, sicher nicht anders werden. Schließlich zeigen diese schwarz auf weiß, dass alle Bewerber ohne eine Vielzahl an kostspieligen Neubauten auskommen. Abgesehen vielleicht von den Olympischen Dörfern - aber angesichts der Tatsache, dass daraus nach den Spielen überall Wohnraum für alle entstehen soll, kann man meines Erachtens in Zeiten des Wohnungsmangels auch über deren Sinnhaftigkeit nicht ernsthaft streiten.
Du bist seit 2022 im DOSB, hast davor viele Jahre beim DFB gearbeitet. In welcher Form lassen sich diese beiden großen Verbände vergleichen, und worin liegt für dich - vielleicht auch im Vergleich mit der Heim-WM 2006 - der Reiz, eine Olympiabewerbung konzeptionell zu begleiten?
Um seinen Job so gut wie möglich zu machen, bedarf es neben einer hohen Resilienz vor allem auch einer festen Überzeugung und Motivation. Gerade dann, wenn es - und solche Phasen gibt es bei Langzeitprojekten, an denen viele Menschen mitwirken, ja immer mal wieder - mal nicht so läuft wie geplant. Und ich ziehe diesen Antrieb tatsächlich aus den persönlichen Erfahrungen, die ich im Betreuerteam der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-WM, aber auch bei Turnieren im Ausland sammeln durfte. Hautnah mitzuerleben, was das „Sommermärchen“ in großen Teilen unserer Gesellschaft nachhaltig ausgelöst hat, hat die bei mir ohnehin schon immer sehr stark ausgeprägte Überzeugung von der gesamtgesellschaftlichen Kraft des Sports auf alle Zeit tief in mir verankert. Gerade deshalb bin ich dankbar, dass ich einen Teil zu diesem Prozess beitragen kann. Natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, dass Olympische und Paralympische Spiele alle Herausforderungen lösen können. Das ist aber auch nicht Aufgabe von Sportgroßveranstaltungen. Ich bin überzeugt, dass allein schon die Aussicht auf das größte Sportereignis der Welt in Deutschland einen Ruck auslösen oder zumindest unterstützen kann, den wir als immer weiter auseinanderdriftende Gesellschaft benötigen, um die zahlreichen Herausforderungen, die vor uns liegen, zielgerichtet und gemeinsam anzugehen.
World Games Chengdu: Das DSB-Team steht
„Klimaanpassung ist machbar - und eine Chance für einen zukunftsfähigen Sport“
DOSB: Herr Professor, für Menschen, die mit der Thematik nicht so vertraut sind, sollten wir zunächst die Begrifflichkeiten klären: Worin unterscheiden sich Projekte zum Klimaschutz von solchen zur Klimaanpassung?
Ralf Roth: Der Klimawandel ist real, menschengemacht und betrifft den Sport direkt. Hauptverursacher ist der CO₂-Ausstoß durch fossile Energien. Die globale Folge sind steigende Temperaturen und verändertes Wetter. Bereits heute sind mehr Hitzetage, Extremwetter und weniger Frosttage in Deutschland spürbar. Das wirkt sich auf Sporträume, Trainingsbedingungen, Wettkämpfe und die Nutzung von Sportstätten aus. Klimaschutz und Klimaanpassung sind zwei Seiten derselben Medaille. Klimaschutz heißt: Emissionen verringern – etwa durch klimafreundliche Sportstätten, umweltfreundliche Anreisen oder sparsamen Energieeinsatz. Klimaanpassung bedeutet, mit den Folgen umzugehen und neue Lösungen zu finden: hitzetaugliche Anlagen, Begrünung, Schattenplätze, Trinkwasserstellen oder das Verlegen von Aktivitäten auf kühlere Tageszeiten oder andere Räume. Der Sport trägt also doppelte Verantwortung: Er muss zum Klimaschutz beitragen und sich gleichzeitig besser auf die Folgen einstellen.
Der Klimawandel zwingt den organisierten Sport ebenso wie alle Sporttreibenden zur Anpassung. Wenn Sie es zunächst ganz generell ausdrücken können: Wie gut ist der Sport in Deutschland auf die Anpassung an den Klimawandel vorbereitet?
Der Klimawandel stellt den Sport in Deutschland vor wachsende Herausforderungen, im Spitzen- wie im Breitensport. Noch sind die Folgen hierzulande weniger gravierend als in den südlichen Ländern. Doch mit weiter steigenden Temperaturen - voraussichtlich um mindestens zwei Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts - nimmt der Anpassungsdruck zu. Gleichzeitig ergeben sich Gestaltungsspielräume: Durch seine organisatorische Flexibilität - etwa bei Trainingszeiten, Sportstätten oder Wettkampfkalendern - kann der Sport frühzeitig auf klimatische Herausforderungen reagieren und Risiken gezielt minimieren. Im Gegensatz zu Bereichen wie Landwirtschaft oder Weinbau ist der Sport nicht an saisonale Standorte und dortige Umweltbedingungen gebunden. Sporttreibende können flexibel auf veränderte Wetter- und Klimabedingungen reagieren. Diese Anpassungsfähigkeit macht den Sport besonders widerstandsfähig gegenüber den Folgen des Klimawandels. Trotzdem steht er noch am Anfang eines umfassenden Transformationsprozesses. Erste Initiativen zur Klimaanpassung gibt es - etwa Hitzeschutzkonzepte, veränderte Zeitpläne oder Investitionen in Infrastruktur. Doch die vorhandenen Potenziale sind längst nicht ausgeschöpft. Jetzt kommt es darauf an, diese Chance aktiv zu nutzen - durch vorausschauendes Handeln, Kooperation und politische Unterstützung.
Sie selbst kommen in erster Linie aus dem Winter- und Bergsport. Dass die Winter immer milder sind und der Schnee weniger wird, merken die meisten Menschen. Aber welche Folgen hat diese Veränderung für den Wintersport noch, welche Gefahren entstehen dadurch?
Der Winter- und Bergsport gehört zu den Bereichen, die besonders stark unter dem Klimawandel leiden - vom Tourismus bis zum Spitzensport. Steigende Temperaturen verschieben die Nullgradgrenze stetig nach oben, mit Folgen für Schneesicherheit, Infrastruktur und Gefahrenlage. Kein Wunder, dass gerade der Wintersport medial im Fokus steht, obwohl viele andere Sportarten ebenfalls betroffen sind. Im Winter verändert sich vor allem das Lawinenrisiko. Langfristig nehmen trockene Schneebrettlawinen ab, während Nassschneelawinen zunehmen. Besonders in tieferen Lagen schrumpfen die Lawinengebiete, Talabgänge werden seltener. Im Sommer zeigt sich der Klimawandel durch tauenden Permafrost. Felsen verlieren ihren natürlichen ‚Kleber‘ - die Folge: mehr Steinschläge, Rutschungen und instabile Hänge. Das gefährdet Wege, Pisten und alpine Infrastruktur. Auch die Gletscher ziehen sich stark zurück. Neben dem Verlust wertvoller Wasserspeicher verändert sich das Gelände - mit neuen Herausforderungen für Sommer- und Winterbetrieb. Gefragt sind jetzt klare Anpassungsstrategien, gezielte Investitionen in Sicherheit und neue Konzepte für einen zukunftsfähigen Bergsport.
Sind die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport im Hinblick auf das sich verkleinernde Zeitfenster schon absehbar? Wie lang wird es in den Mittel- und Hochgebirgen noch schneesichere Gebiete in Deutschland geben, wohin wird man ausweichen können oder müssen?
Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport sind bereits heute klar sichtbar: Die Winter werden kürzer, wärmer und instabiler. In mittleren Lagen bis etwa 1.500 Meter geht die natürliche Schneedecke messbar zurück, besonders zu Saisonbeginn und -ende. Davon sind alle Wintersportregionen betroffen. Technische Beschneiung kann vielerorts die Wintersaison sichern, stößt aber zunehmend an klimatische Grenzen: Die Zeitfenster für Schneeerzeugung werden kürzer, der Wasser- und Energiebedarf steigt. Die Anpassungsfähigkeit hängt stark von Höhenlage und Disziplin ab. Während alpiner Skisport in hochgelegenen Regionen als vergleichsweise robust gilt, sind Schneesportarten wie Skilanglauf oder Skitourengehen - die auf Naturschnee in tieferen Lagen angewiesen sind - stärker gefährdet. Skispringen hat durch keramische Anlaufspuren und Mattenschanzen bereits weitgehend Unabhängigkeit vom Schnee erreicht. Jetzt braucht es flexible Konzepte und gezielte Investitionen. Der Wintersport zeigt aber bereits Pionierarbeit - etwa beim Einsatz von HVO-Kraftstoffen, grünem Strom und nachhaltiger Infrastruktur.
Was verändert sich für die Sporttreibenden im Breitensport, wenn es nur noch wenige Skigebiete gibt und eine kürzere Zeitspanne, in der diese zur Verfügung stehen?
Für Wintersportlerinnen und Wintersportler stellt die kürzere Skisaison derzeit noch kein gravierendes Problem dar. Viele der mehr als zehn Millionen Aktiven in Deutschland gestalten ihre 15 bis 20 Schneetage flexibel - sowohl hinsichtlich Ort als auch Zeitpunkt. Technische Beschneiung sichert vielerorts trotz milder Winter weiterhin gute Bedingungen. Langfristig wird sich das Freizeitverhalten anpassen. Die Zahl aktiver Wintersportlerinnen und -sportler dürfte auch aus demografischen Gründen zurückgehen. Eine größere Herausforderung sind dabei weniger die Schneeverhältnisse als steigende Kosten, etwa durch mehr Technisierung. Besonders für den Breiten- und Nachwuchssport wird die Finanzierung bezahlbarer Angebote zur zentralen Aufgabe. In den Mittelgebirgen ist die Lage schwieriger: Schneetage treten dort seltener und in kürzeren Zeiträumen auf. Für Schulen, Vereine und Nachwuchsförderung bleibt der Zugang zu Schnee jedoch wichtig. Hier braucht es gezielte Investitionen, angepasste polysportive Infrastrukturen und tragfähige Konzepte, um ein klimafestes Grundangebot zu sichern.
Wird der Betrieb von Skihallen Bedarfe auffangen können, oder ist dieser wegen der Energiebilanz im Hinblick auf den Klimaschutz gar nicht mehr zu vertreten?
Skihallen können punktuell unterstützen - etwa für Training oder einzelne Skitage. Als Ersatz für den alpinen und nordischen Wintersport in den Alpen sind sie ungeeignet. Eine Ergänzung ja, eine nachhaltige Alternative eher nicht.
Auch der Sommersport steht vor vielfältigen Auswirkungen. Welche sind die gravierendsten?
Der Klimawandel betrifft längst nicht nur den Wintersport - auch der Sommersport steht vor großen Herausforderungen. Steigende Temperaturen, längere Hitzeperioden und häufigere Extremwetterereignisse verändern Trainings- und Wettkampfbedingungen deutlich. In vielen Regionen wird Sport im Freien an immer mehr Tagen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich sein. In Zukunft wird weniger zwischen „Sommer-“ und „Wintersport“ unterschieden - entscheidend wird sein, ob eine Sportart stark wetter- oder temperaturabhängig ist. Hitze, UV-Strahlung und Luftqualität werden zentrale Faktoren, vor allem im Breiten- und Schulsport. Auch Infrastruktur, Zeitplanung und Gesundheitsschutz müssen neu gedacht werden.
EM-Qualifikation Hannover: Drei Athleten qualifizieren sich für Runde zwei
Landesschützenverband Mecklenburg-Vorpommern: Gute Stimmung beim 35-jährigen Jubiläum
„Im Derbypark Klein Flottbek könnte man beeindruckende Spiele veranstalten“
Kindermund tut Wahrheit kund, sagt man. Und auch wenn Konstantin Rath als nicht gänzlich unbefangen gelten muss, konnte man dem Neunjährigen nur zustimmen. „Papa hat das gut gemacht“, sagte er, als er das Fazitgespräch seines Vaters mit der DOSB-Verbandskommunikation kurz unterbrach, um zu erfahren, wann denn nun endlich die Siegerehrung stattfände, zu der er mit auf den Derbyplatz im Hamburger Stadtteil Klein Flottbek gehen durfte. Matthias Alexander Rath, als Athlet vor allem in seiner Zeit als Reiter des 2020 verstorbenen „Wunderpferds“ Totilas bekannt geworden, lächelte über das Lob seines Sohnes. Das Fazit, das der 40-Jährige von seinem ersten Auftritt als Turnierchef des Deutschen Spring- und Dressurderbys zog, fiel natürlich deutlich differenzierter aus.
DOSB: Matthias, du hast in diesem Jahr Volker Wulff als Derbychef abgelöst, der die Funktion 25 Jahre innehatte und im Streit mit Rechteinhaber Norddeutscher und Flottbeker Reiterverein (NFR) scheiden musste. Gab es etwas, das dich völlig unvorbereitet getroffen und entsprechend überrascht hat?
Matthias Rath: Völlig unvorbereitet nicht, aber extrem positiv überrascht bin ich vom Zuspruch, den diese Veranstaltung erhält. Es war großartig, zu spüren, welchen Rückhalt wir von den Partnern, den Dienstleistern, vor allem aber von den Fans bekommen haben. Das Derby ist ein ganz besonderes Event, bei dem alle dabei sein wollen. Es geht nicht darum, wer es veranstaltet, es geht um das Derby als Institution. Solch ein Vertrauensvorschuss ist nicht selbstverständlich. Wir haben versucht, ein Stück davon zurückzuzahlen.
Nicht alle Partner sind dabei geblieben, der langjährige Namenssponsor Idee Kaffee ist abgesprungen, mit Al Shira’aa hast du einen Partner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten als Nachfolger präsentiert, der auch nicht allen passte. Wie schwierig war die Übergangsphase wirklich?
Es ist ganz normal, dass eine gewisse Fluktuation entsteht, wenn nach 25 erfolgreichen Jahren, in denen Volker Wulff und sein Team das Turnier sehr gut entwickelt haben, der Veranstalter wechselt. Für mein internes Team war hier alles neu, ich bin sehr stolz darauf, wie alle diese Herausforderung angenommen haben. Wir konnten uns aber auf ein bestehendes Netzwerk aus externen Partnern stützen, die es uns leicht gemacht haben. Was den Wechsel des Namenssponsors angeht, bin ich Al Shira’aa sehr dankbar, dass sie es mit ihrem Einstieg ermöglichen, für die kommenden Jahre Planungssicherheit zu haben. Das ist sehr wichtig, um die nächsten Schritte gehen zu können.
Lass uns über diese Schritte sprechen. Es gab Kritik an den Starterfeldern sowohl im Springen als auch in der Dressur, im Springen zum Beispiel war nur ein halbes Dutzend Reiter*innen aus den Top 50 der Weltrangliste am Start. Wie siehst du das?
Die Weltrangliste wird jeden Monat neu erstellt, da ist viel Bewegung drin. Insofern halte ich das Bild für verzerrt. Ein Beispiel: Christian Ahlmann, der am Samstag unser Hauptspringen gewonnen hat, steht aktuell nicht in den Top 50. Er war aber mal Weltranglistenerster und ist weiterhin ein absoluter Topreiter. Das Derby hat zum vierten Mal André Thieme gewonnen, der war immerhin auch schon Einzel-Europameister. Deshalb wünsche ich mir, dass das differenzierter betrachtet würde. Ich bin durchaus zufrieden mit unserem Starterfeld, was nicht heißt, dass wir keine Optimierungsmöglichkeiten sehen. Die Konkurrenz ist groß, aber die Reiter gehen dorthin, wo sie sich wohlfühlen, deshalb bin ich sehr hoffnungsfroh, dass wir das hohe Niveau halten und ausbauen können.
Die finanzstarke Weltserie Global Champions Tour war zwischen 2008 und 2022 Bestandteil des Hamburger Programms, fühlte sich dann hinter dem Derby zu wenig beachtet, was zum Ausstieg führte. Ist eine Rückkehr denkbar und sinnvoll?
Aus meiner Perspektive war der Einstieg der Global Champions Tour 2008 eine Initialzündung für das Hamburger Turnier, weil diese Serie eine sportliche Aufwertung bedeutete. In den vergangenen zwei Jahren haben wir gesehen, dass es auch ohne sie geht. Dabei geht der Dank in erster Linie an unseren Hauptsponsor Longines, dessen finanzielle Unterstützung dafür unerlässlich ist.
In den vergangenen Jahren sind die Preise für alle Gewerke, die an so einem Großereignis mitarbeiten, gestiegen. Dazu kommen medizinische Herausforderungen zum Beispiel mit Pferdekrankheiten, aber auch Diskussionen um den Umgang mit dem Lebewesen Pferd, der immer wieder Anlass zu Kritik gibt. Wie schwierig ist es für Veranstalter geworden, Turniere zumindest kostendeckend auszurichten, und wie ließe sich die Situation verbessern?
Diese Frage hat mehrere Ebenen. Was die Kostenfrage angeht, muss man sicherlich konstatieren, dass sich die Lage für Veranstalter verschärft hat. Daraus folgt für mich, dass es wichtig ist, dass insbesondere die Traditionsturniere, die wir benötigen, um einer breiten Masse den Pferdesport näherzubringen, enger zusammenarbeiten müssen. Wir können nicht warten, bis andere etwas tun, wir müssen Dinge gemeinsam anschieben und darauf achten, dass alle profitieren. Was die Frage nach der Kritik am Umgang mit dem Partner Pferd angeht: Da hilft nur, dass wir viel offensiver zeigen, was wir alles tun, um unserer Verantwortung gerecht zu werden. Ich gebe mal ein Beispiel. Ich war vorvergangene Woche beim Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum zu Gast und habe mit Interesse gesehen, wie dort die Trainingsplätze vor den Blicken der Fans abgeschirmt werden, weil es die Profis so wünschen, damit niemand spionieren kann, was im Training gemacht wird. So etwas könnten wir uns im Reitsport gar nicht erlauben! Man stelle sich vor, wir würden den Abreitplatz abschirmen, dann käme sofort der Vorwurf, wir würden Dinge verheimlichen wollen. Diese Transparenz müssen wir weiter ausbauen, und wir müssen darüber noch viel mehr berichten.
Jedermann-Lehrgang Bogen: Zwei Fliegen mit einer Klappe?!
Weltcup Antalya: 14 DSB-Athleten bei Regeltests dabei
Deine 12 Sekunden laufen!
Nur 1 Korb, 12 Sekunden Shotclock und entweder volle 10 Minuten oder 21 Punkte erreichen: 3x3 Basketball ist die rauere, urbane, aber intensive und pulsierende Schwester des Hallenbasketballs. Wir lassen uns von Olympia-Gold-Medaillengewinnerin Svenja Brunckhorst einen Crashkurs geben, fühlen noch mal ins Olympia-Finale 2024 auf dem Place de la Concorde gegen Spanien und philosophieren, wohin es mit 3x3 in Deutschland gehen könnte.
Weltcup München: Interview mit Maximilian Ulbrich & Doreen Vennekamp
EM- & WM-Qualifikation Hannover/München: Gewehr- und Bogenschützen gefordert
Über eine halbe Million Menschen legten 2024 das Deutsche Sportabzeichen ab
Im vergangenen Jahr absolvierten laut offizieller Statistik 550.368 Menschen mit und ohne Behinderungen die Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit. Darunter waren 141.156 Erwachsene sowie 409.212 Kinder und Jugendliche. Besonders bemerkenswert sind diese Zahlen vor dem Hintergrund einer umfassenden Erneuerung: Die Einführung der Plattform „Sportabzeichen-Digital“ stellte 2024 einen bedeutenden Meilenstein in der Weiterentwicklung und Modernisierung des mehr als 100 Jahre alten Programms dar und wurde von zahlreichen der 60.000 Prüfer*innen und Teilnehmenden erstmals eingesetzt.
DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein: „Es freut mich außerordentlich, dass wir mit dem erfolgreichen Start unserer neuen digitalen Plattform so viele Menschen für das Deutsche Sportabzeichen begeistern konnten. Die Zahlen zeigen, wie lebendig der Breitensport in Deutschland ist. Jetzt gilt es, diese Dynamik weiter auszubauen. Ein großer Dank gilt allen engagierten Ehrenamtlichen, den Kolleg*innen in den Landessportbünden und unserem langjährigen Partner, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband.“
World Games Chengdu: Zehn Schützen um vier Plätze
Jedermann-Lehrgang Wiesbaden: Luftgewehr mit Schwerpunkt Mentaltraining
Vielfalt im Verein stärken: DOSB stellt ersten Sport Diversity-Check vor
Anlässlich des heutigen 13. Deutschen Diversity-Tags am 27. Mai 2025 stellt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit dem Diversity-Check ab sofort ein neues, praxisnahes Online-Tool auf der verbandseigenen Website www.dosb.de zur Verfügung, mit dem Sportvereine und -verbände auf einfache Weise ihre Strukturen und Angebote auf Vielfalt und Teilhabe überprüfen können.
„Das Wichtigste ist ein respektvoller Umgang mit- und untereinander“
DOSB: Marcus, du warst von 2013 bis 2017 schon einmal Chefbundestrainer, danach bist du im Disziplinbereich Skull und im U 23-Bereich tätig gewesen. Wie kam es dazu, dass du es noch einmal „ganz oben“ versuchen möchtest?
Marcus Schwarzrock: Die Arbeit im U-23-Bereich hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht. Aber mit einem Auge habe ich immer auf den A-Bereich geschaut, und dabei sind mir einige Ideen gekommen, wie es anders gehen könnte. Da habe ich gespürt, dass ich noch große Lust habe, Dinge an vorderster Front mitzugestalten. Mir ist klar, dass dazu auch gehört, sich selbst zu überprüfen und zu Veränderungen bereit zu sein. Das bin ich. Dazu kommt, dass der DRV zu Jahresbeginn Robert Sens zum Vorstand Leistungssport bestellt hat. Mit ihm konnte ich mir eine enge Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Auch wenn wir früher als Trainer ein ums andere Mal miteinander angeeckt sind, haben wir unterschiedliche Skills, die im Gesamtpaket gewinnbringend für den Verband sein können. Deshalb freue ich mich sehr, dass man mir die Verantwortung für die Nachfolge von Brigitte Bielig übertragen hat.
In dieser Antwort stecken zwei sehr interessante Aspekte. Zum einen interessieren uns die Ideen, die dir gekommen sind. Was also muss im DRV anders und vor allem besser werden?
Wir haben damit begonnen, das Training in drei Bereichen umzustellen. Ich möchte vorausschicken, dass die Art und Weise, wie wir bislang trainiert haben, zu sehr großen Erfolgen geführt hat und auch immer noch funktionieren könnte. Aber es war an der Zeit, etwas Neues zu implementieren, um neue Reize zu setzen und die Athletinnen und Athleten mitzunehmen.
Welche drei Bereiche habt ihr verändert?
Die erste Säule ist, dass wir evidenzbasierter trainieren. Wir binden die Wissenschaft stärker ein, haben zwei neue Diagnosetrainer*innen eingestellt, arbeiten mit einem Wissenschaftskoordinator und haben den gesamten Bereich auf professionellere Füße gestellt. Die zweite Veränderung betrifft unser Trainerteam, das wir deutlich erfahrener und internationaler aufgestellt haben. Wir haben nun Einflüsse aus Polen, Italien und den Niederlanden, in jeder Disziplin arbeiten Coaches, die Olympiamedaillen gewonnen haben. International spielen wir mit diesem Trainerteam in der obersten Liga mit. Und die dritte Säule ist, dass wir individueller auf unsere Leistungsträgerinnen und Leistungsträger eingehen. Wir bauen Stück für Stück die Trainingsmethodik um, setzen auf polarisiertes Blocktraining. Wir merken, dass das Team da richtig Bock drauf hat.
Die Stimmung im Team ist ein sehr wichtiger Faktor, und diese hat in den vergangenen Jahren des sportlichen Niedergangs arg gelitten. Diverse Athletinnen und Athleten haben darüber geklagt, nicht ernst genommen oder erst gar nicht angehört worden zu sein. Wie wollt ihr dort neues Vertrauen schaffen?
Fakt ist, dass wir die Kommunikation zwischen dem Trainerteam und den Athletinnen und Athleten verbessern müssen. Ich bin zu 100 Prozent ansprechbar, aber mein Ziel ist, dass aufkommende Probleme zunächst zwischen den Sportlern und ihren Disziplintrainern gelöst werden. Erst wenn da etwas nicht gelöst werden kann, werde ich mich einschalten. Die dritte Stufe wären Einzelgespräche. Ich glaube, dass diese Herangehensweise beide Seiten stärkt. Uns ist im Trainerteam bewusst, dass wir transparenter werden und Entscheidungen besser erklären müssen. Wir versuchen, aus unserer Komfortzone zu kommen, Strukturen aufzubrechen und uns stets zu verbessern. Dafür haben wir ein Coach-to-Coach-Programm angeschoben, über das wir unsere Arbeit gemeinsam reflektieren.
Das bringt uns zu dem zweiten wichtigen Aspekt deiner Eingangsantwort: Welchen Veränderungsbedarf hat deine Selbstüberprüfung ergeben? Was willst oder musst du anders machen als bislang?
Nach den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, wo ich für den männlichen Skullbereich verantwortlich war, habe ich vieles auf den Prüfstand gestellt. Wir hatten als einzige Disziplin alle drei Bootsklassen qualifiziert, die Ergebnisse waren aber absolut nicht zufriedenstellend. Ich habe die Fehler bei mir gesucht und versucht, mich mehr von außen zu reflektieren und nach Lösungen zu suchen, um jeden Tag ein Stück besser werden zu können. Das Ergebnis ist das, was ich eben skizziert habe: Bereitschaft zur Umstellung von Trainingsmethodik, bessere Kommunikation und ein klarer Fokus auf mehr Teamwork.
Kritiker des DRV sagen, dass eine grundlegende Veränderung nicht möglich ist, wenn man jemanden wie dich, der das System seit vielen Jahren kennt und mitbestimmt hat, zum Chefbundestrainer macht. Was entgegnest du?
Wir haben in Deutschland ein sehr spezielles, sehr komplexes Umfeld mit einem Verband der Vereine. Als Ausländer in dieses System einzusteigen und gleich den Chef geben zu müssen, das ist sehr schwierig. Ich bin sehr dafür, dass wir uns Know-how von außen holen, aber das ist ja auch geschehen. Deshalb denke ich, dass es ein Vorteil ist, dass ich die Strukturen genau kenne und weiß, worauf es ankommt. Meine Aufgabe ist es, die vielen positiven Einflüsse, die wir uns geholt haben, zusammenzufügen und zu strukturieren.
Aktuell sorgt ein Report der ARD-Sportschau für Aufsehen, der einem Rudertrainer aus Münster jahrelange interpersonelle Gewalt gegen Mitglieder seiner Trainingsgruppen vorwirft. Insbesondere wird Rudern darin als männerdominierter Sport dargestellt, in dem Frauen diskriminiert werden und der die Athletinnen und Athleten körperlich regelmäßig über Grenzen treibt. Wie stehst du zu solchen Aussagen?
Zum konkreten Fall hat sich DRV-Präsident Moritz Petri in dem Beitrag klar positioniert, dazu kann und möchte ich nicht weiter Stellung nehmen. Was mir wichtig ist: Ich bitte darum, nicht zu verallgemeinern. Im Nachwuchsbereich sollen der Spaß und die Freude im Vordergrund stehen, natürlich in einem vertrauensvollen und wertschätzenden Umfeld. Rudern in der Weltspitze ist ein sehr harter Ausdauersport, bei dem man regelmäßig an seine körperlichen Grenzen gehen muss. Das wissen alle Sportlerinnen und Sportler, sie suchen sich den Sport freiwillig aus. Entscheidend ist daher, wie wir als Trainerinnen und Trainer mit unseren Schutzbefohlenen umgehen. Auf Bundeskaderbebene arbeiten wir seit Beginn der Neuausrichtung mit unseren Athletinnen und Athleten gemeinsam an einer Fortentwicklung, wir haben Programme aus dem Bereich Safe Sport und klare Verfahren, die im DRV greifen, und wir nehmen diese Themen sehr ernst. Das Wichtigste für mich ist ein respektvoller Umgang mit- und untereinander. Dass es wie in allen gesellschaftlichen Bereichen auch im Sport Problemfälle gibt, haben wir im Rudern nicht exklusiv. Deshalb kommt es darauf an, wie wir diese Fälle aufarbeiten, und ich bin der Überzeugung, dass wir da im DRV mit klarem Kompass von Präsident und Vorstand auf einem guten Weg sind.
