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Mit der Partie gegen Slowenien starten die deutschen Volleyballerinnen an diesem Samstag (15 Uhr MEZ) in Istanbul in die Vorrunde der Europameisterschaft. Für Stammzuspielerin Sarah Straube ist es das erste Kontinentalturnier. „Natürlich ist etwas Nervosität dabei, aber ich freue mich riesig auf die Herausforderung“, sagt die 24-Jährige, die nach der vergangenen Saison vom italienischen Erstligisten Omag-MT San Giovanni Marignano zu ihrem Herzensverein Dresdner SC zurückkehrte. Weitere Vorrundengegner sind Lettland (23. August, 16 Uhr), Ungarn (25. August, 16 Uhr), Gastgeber Türkei (26. August, 19 Uhr) und Polen (27. August, 16 Uhr). Die besten vier Teams der vier Gruppen erreichen das Achtelfinale, was auch für die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) das Minimalziel darstellt. Im DOSB-Interview spricht Sarah Straube darüber, wie sich die Mannschaft entwickelt hat und wie sie ihre Ziele erreichen kann.
DOSB: Sarah, ihr habt euch zehn Tage lang in Istanbul bei Eczacibasi, dem Verein eures Bundestrainers Giulio Bregoli, vorbereitet und konntet schon einmal die Atmosphäre aufsaugen. Welchen Stellenwert hat für dich eine EM in der volleyball-verrückten Türkei?
Sarah Straube: Das ist für uns alle ein herausragendes Highlight. Für mich ist es die erste EM, das ist immer etwas Besonderes. Aber das in der Türkei zu erleben, wo die Menschen volleyball-verrückt sind, ist einfach toll. Ich hoffe sehr, dass die Halle nicht nur im Spiel gegen die Türkinnen, sondern bei allen Partien voll sein wird. Im Gegensatz zur WM, wo es immer Teams gibt, die nicht auf europäischem Niveau spielen, ist eine EM sportlich sehr hochwertig, die Qualität ist in der Breite enorm. Deshalb freue ich mich sehr auf die Herausforderung.
Mit welchen Erwartungen startet ihr in diese EM? In der Vorrundengruppe sind Polen und die Türkei sicherlich favorisiert, aber was ist für euch möglich?
Im Vergleich zu den anderen Gruppen, in denen es nur ein Topteam gibt, haben wir mit den beiden Krachern Polen und Türkei eine echte Hammergruppe erwischt. Aber wir werden im Umkehrschluss nicht den Fehler machen und die anderen drei Gegner unterschätzen, nur weil sie nicht in der Nations League vertreten waren. Bei einer EM schlägt man niemanden einfach im Vorbeigehen. Aber ich mag es, wenn es keine vermeintlich leichten Gegnerinnen gibt, weil dann die Konzentration hoch ist und man immer auf hohem Level gefordert ist. Wir haben bewusst kein Ziel formuliert, sondern wollen, auch wenn es langweilig klingt, von Spiel zu Spiel schauen. Wir können gegen alle gewinnen, aber auch gegen alle verlieren. Umso gespannter bin ich, wie wir performen werden.
Ihr habt über den Sommer die kraftraubende Nations League gespielt. Wie schafft man es, über einen so langen Zeitraum die Form zu halten, und warum ist dieser Wettbewerb so wichtig?
Wie wir das schaffen, frage ich mich auch manchmal. Letztlich verdanken wir es unserem Trainer- und Funktionsteam, die ein Programm ausgearbeitet haben, das es ermöglicht, trotz der extremen Belastung ausreichend zu regenerieren. Und wir haben einen entsprechend breiten Kader, was eine unserer Stärken ist. Das Programm kann man natürlich nicht mit sieben Spielerinnen durchziehen. Die Nations League ist so wichtig, weil sie Spiele gegen die Besten der Welt ermöglicht, und eine bessere Vorbereitung auf die EM hätte es gar nicht geben können. Wir spielen bei der EM fünf Vorrundenspiele innerhalb von sechs Tagen. Diese Belastung haben wir in der Nations League geprobt.
Die Nations League bestand aus drei jeweils eine Woche langen Abschnitten, dazwischen immer eine Woche Pause, die ihr aber zumeist gemeinsam im Trainingszentrum in Kienbaum verbracht habt. Beschreibe doch bitte mal den Alltag einer deutschen Volleyball-Nationalspielerin im Sommer. Wie viele Nächte hast du zu Hause verbracht?
Die kann ich an zehn Fingern abzählen. Im besten Fall bekommt man nach der Vereinssaison zwei Wochen Urlaub, das hängt aber an der Terminierung der Nations League und dem Abschneiden des Vereins. Mit dem Start der Vorbereitung auf die Nations League bin ich über zwei Monate fast nur unterwegs. Wenn die Nations League beendet ist, beginnt die Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt, den in diesem Jahr die EM darstellt. Und nach der EM bleiben in der Regel auch nur wenige Tage, bis die Saisonvorbereitung im Verein wieder startet.
Das klingt hart. Dafür siehst du als Nationalspielerin immerhin viel von der Welt…
…aber meist eben doch nur Flughafen, Hotel und Sporthalle. Zeit für kulturelle Unternehmungen bleibt in der Regel kaum. Man muss den Sport schon sehr lieben, um dieses Programm durchzuziehen. Aber genau das tun wir alle, es ist eine große Ehre und auch ein Vergnügen, zu diesem Kreis zu gehören und große Wettbewerbe spielen zu dürfen. Alles hat sein Für und Wider, aber trotz aller Belastungen möchte ich die Nationalmannschaft keinesfalls missen.
2024 habt ihr die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris knapp verpasst, bei der WM im vergangenen Jahr seid ihr im Achtelfinale am späteren Weltmeister Italien gescheitert. Welche Entwicklung hat die Mannschaft aus deiner Sicht über die vergangenen zwei Jahre seit der verpassten Paris-Quali genommen?
Wir sind als Team extrem gut zusammengewachsen. Es hilft uns sehr, dass wir nun schon im zweiten Jahr mit unserem Bundestrainer zusammenarbeiten. Es braucht immer Zeit, um ein eigenes Spielsystem zu entwickeln, und diese Zeit haben wir bekommen. Ich glaube, dass wir besonders in diesem Jahr wichtige Schritte gegangen sind. In der Nations League konnten wir das noch nicht ausreichend zeigen, da haben wir mit Platz zwölf unser Soll erfüllt, aber nichts Herausragendes geschafft. Aber wir drehen an vielen Stellschrauben, und ich hoffe, dass sich das nun bei der EM auszahlen wird.
Welche Entwicklungsschritte hast du als Zuspielerin in den vergangenen Jahren genommen? Was lernt man auf dieser Position mit zunehmender Erfahrung?
Insbesondere in der Ballkontrolle und Passsicherheit kommen die Fortschritte mit zunehmender Erfahrung, wenn man viele Situationen schon mehrfach erlebt hat. Mir hat es zum Beispiel sehr geholfen, im Sommer 2025 das komplette Nationalmannschaftsprogramm mitgemacht zu haben. Zuspiel hat viel mit Erfahrung zu tun, denn es geht nicht nur um die Qualität des Zuspiels, sondern auch um das Gefühl für die Angreiferinnen und für den Spielstand.
Wie kam es, dass du diese Position gewählt oder zugewiesen bekommen hast, und was reizt dich daran besonders?
Ich wurde ein wenig ins Zuspiel gedrängt, das soll aber überhaupt nicht negativ klingen, denn ich bin sehr dankbar dafür. In der Jugend war ich Angreiferin, aber der damalige Landestrainer in Sachsen hat mir den Rat gegeben, es als Zuspielerin zu versuchen, weil er der Meinung war, dass ich es auf der Position nicht nur in die Bundesliga, sondern sogar ins Nationalteam schaffen könnte. Da ich schon damals immer nach dem Maximum gestrebt habe, habe ich seiner Einschätzung blind vertraut – und kann heute sagen, dass es die absolut richtige Entscheidung war. Der Reiz an dieser Position ist für mich, dass ich viele Entscheidungen treffen kann und in sehr viele Spielzüge eingebunden bin. Als Zuspielerin hat man einen hohen Impact auf das Spiel. Krass finde ich, wie unterschiedlich die Spielstile sein können. Das ideale Zuspiel gibt es nicht.
Mit ganz viel Pioniergeist den Weg aus der Nische finden
Es gibt viele Wege, die Menschen zu der Sportart führen, die am besten zu ihnen passt. Doch der, den Minh Dam Hai gewählt hat, ist schon ein besonders verschlungener. Seit seiner Kindheit hatte der 32-Jährige Fußball gespielt, doch weil zunehmende Respektlosigkeiten und ein Mangel an Fair Play seine Leidenschaft für der Deutschen liebsten Sport abkühlen ließen, entschloss er sich im Jahr 2019, auf die Suche nach einem Ersatz zu gehen. „Mit ein paar Freunden habe ich dann auf Wikipedia die Liste der anerkannten Sportarten durchgeschaut und nach einer besonders exotischen gesucht, die zu mir passt und mit der ich möglichst schnell erfolgreich werden könnte. So bin ich beim Kin-Ball hängen geblieben“, erzählt er. Dass er sieben Jahre später nicht nur Nationalspieler, Trainer und Vereinsvorstand sein, sondern auch eine Europameisterschaft ausrichten würde, hätte er sich damals trotz allen Ehrgeizes kaum ausmalen können.
In der kommenden Woche ist es aber so weit. In der Erfurter Riethsporthalle kommen vom 26. bis 29. August die besten Teams des Kontinents zusammen, um ihre Meister zu ermitteln. Bei den Männern sind sieben Nationen am Start, fünf sind es bei den Frauen. Parallel dazu werden die International Open ausgetragen; ein europäischer Vereinswettbewerb, aufgeteilt in eine Amateur- und eine Profikategorie, bei dem insgesamt 26 Teams an den Start gehen, fünf davon aus Deutschland. Mehr als 300 Aktive kommen dadurch zusammen. Ein organisatorischer Aufwand, der für den als Ausrichter fungierenden lokalen Verein Erfurter Lachse mit seinen 60 Mitgliedern, dem Minh Dam Hai seit der Gründung im Frühjahr 2021 vorsteht, eine große Herausforderung darstellt. „Wir planen seit November 2025. Das Kern-Organisationsteam umfasst vier Leute, aber wir haben zum Glück viele Freiwillige, die uns helfen“, sagt der Vorstandsvorsitzende, der im Hauptberuf als Vertriebler im Außendienst für einen Wärmepumpenhersteller arbeitet.
Kin-Ball wurde in den 1980er-Jahren in Kanada erfunden
Wer sich nun fragt, was Kin-Ball überhaupt ist, steht mit dieser Frage keineswegs allein da. Der Mitte der 1980er-Jahre in Kanada von Studenten erfundene Wettkampf, der weltweit von rund drei Millionen Menschen betrieben wird, ist in Deutschland das, was man als Paradebeispiel für einen Nischensport bezeichnen kann. Der 2019 gegründete Deutsche Kin-Ball Verband zählt aktuell knapp 400 Mitglieder, die sich auf 16 Vereine aufteilen. Es gibt zwar einen Bundesliga-Spielbetrieb, aber noch keine Landesverbände. Auf dem Deutschen Turnfest 2004 wurde Kin-Ball erstmals in Deutschland vorgestellt, vier Jahre später war Saarlouis erster – und bis zu dieser Woche einziger – deutscher EM-Ausrichter.
Was den Sport einzigartig macht: Es treten drei Mannschaften gleichzeitig auf einem rund 20-mal 20 Meter großen Spielfeld gegeneinander an. Vier Spieler*innen pro Team – auf Vereinsebene sind gemischte Mannschaften erlaubt, bei der EM wird nach Geschlechtern getrennt gespielt – müssen verhindern, dass der Ball den Boden berührt, wenn sie in der Verteidigung sind. Der Ball ist kein gewöhnlicher Ball, sondern hat einen Durchmesser von 1,22 Metern, weist aber dank einer von einer Nylonhülle überzogenen Latexblase gute Flugeigenschaften auf und wiegt nicht einmal ein Kilogramm.
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Sport im Ganztag: Was Sportvereine jetzt wissen sollten
Seit dem 1. August 2026 ist bundesweit der Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung in den Grundschulen in Kraft. Dieser Anspruch gilt zunächst nur für Kinder der ersten Klasse. Bis zum Schuljahr 2029/30 wird er auf alle Kinder der Klassen 1 bis 4 ausgeweitet.
Das bedeutet: Sehr viele Kinder verbringen in Zukunft noch mehr Zeit in der Schule. Nach Angaben des Familienministeriums werden schon heute rund 1,9 Millionen Kinder im Grundschulalter ganztägig entweder in einer Ganztagsschule oder einem Hort betreut. Die Inanspruchnahme liege damit bei 57 Prozent, sei aber regional sehr unterschiedlich.
Im Rahmen des Ganztags hat ein Kind einen Anspruch auf eine Betreuung von acht Stunden pro Tag, inklusive Unterricht. Also zum Beispiel eine Betreuungszeit von 8 bis 16 Uhr, in denen Schulen nun verpflichtet sind, Betreuungsangebote zu organisieren. Der eigentliche Unterricht umfasst dabei beispielsweise die Zeit von 8 bis 12 Uhr und die Betreuung außerhalb des Unterrichts die Zeit von 12 bis 16 Uhr.
Für Sportvereine eröffnet sich damit eine große Chance.
Denn Sportvereine können Kooperationen mit Grundschulen abschließen, um Kindern am Nachmittag im Ganztag eine hochwertige Betreuung durch sportliche Angebote zu bieten. Der Vorteil für Sportvereine besteht darin, dass sie nicht darauf warten müssen, dass Kinder den Weg zu ihnen in den Verein finden, sondern dass sie mit ihren Angeboten dahingehen können, wo die Kinder sowieso schon sind: in die Schule.
Gleichzeitig können Vereine die Angebote auch dazu nutzen, um Werbung zu machen für das Vereinsangebot außerhalb des Ganztags. Grundsätzlich können Sportvereine im Ganztag einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Kinder schon in einem frühen Alter für Sport und Bewegung zu begeistern. Das frühe Heranführen an den Sport erhöht erwiesenermaßen die Chancen, dass sie auch als Jugendliche und Erwachsene sportlich aktiv bleiben und ein insgesamt gesünderes Leben führen. Außerdem kann eine erfolgreiche Kooperation mit einer Schule auch einen Imagegewinn für den Sportverein bedeuten, wenn er als verlässlicher Partner im Bildungswesen wahrgenommen wird.
Um diese Chancen als Sportverein nutzen zu können, stellen sich ein paar wichtige Fragen: Wie kommt mein Verein eigentlich in den Ganztag? Was braucht es dazu und was müssen wir dabei beachten? Und wie werden die Angebote finanziert?
Diese FAQs geben einen Überblick über diese und weitere Fragen.
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„Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung“
DOSB: Warum hat der DFB im September 2025 das „Jahr der Schule“ ins Leben gerufen?
Prof. Dr. Silke Sinning: Wir benötigen einen höheren Stellenwert für Sport und Bewegung - insbesondere in der Schule. Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten sich Kinder und Jugendliche mindestens eine Stunde am Tag moderat sportlich betätigen. Nicht einmal 30 Prozent erreichen diese Vorgabe. Laut Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse weisen 300.000 Menschen im Alter unter 18 Jahren motorische Entwicklungsstörungen auf, das ist ein Anstieg um mehr als 60 Prozent seit 2008. Wir müssen also dringend etwas tun. Darüber hinaus sorgt der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung für veränderte Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund haben wir das Jahr der Schule als Schwerpunkt im DFB und seinen Landesverbänden gesetzt. Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung. Er sollte daher nicht als Nebensache abgetan werden. Das haben viele andere Sportarten auch längst erkannt.
Welche Ziele verfolgt ihr mit der Initiative?
Das Jahr der Schule soll helfen, für das Thema zu sensibilisieren und Impulse zu setzen. Wir wissen, dass wir in einem Jahr nicht die Welt verändern können. Es wartet ein langer Weg. Den ersten Schritt haben wir gemacht. Wichtig ist dabei: Es geht uns nicht allein um Fußball, es geht generell darum, Kinder und Jugendliche an Schulen verstärkt in Bewegung und zum Sport zu bringen. Es ist auch keine Initiative mit erhobenem Zeigefinger. Wir wollen konstruktiver Partner der Schulen und der Länder sein. Ein wichtiger Schlüssel sind dabei unsere knapp 23.500 Fußballvereine.




