Jenny und Benny – ein ganz besonderes Eistanzpaar
Als er am Donnerstagmittag die Einkleidung für die Olympischen Spiele in Norditalien absolviert hatte und mit zwei prall gefüllten Koffern im Mixed-Zone-Bereich der MTC World of Fashion in München saß, hatte Benjamin Steffan ein kleines Problem. „Mir gefällt die Kleidung am besten, die man auf dem Podium tragen soll“, sagte der 29 Jahre alte Eistänzer. Seit seine Disziplin 1976 in Innsbruck ins olympische Winterprogramm aufgenommen wurde, hat noch kein deutsches Eistanzpaar eine Medaille gewinnen können. Insofern scheint die Wahrscheinlichkeit nicht hoch zu sein, dass der Athlet vom EC Oberstdorf seine Lieblingsstücke aus der adidas-Kollektion offiziell wird tragen können. Aber wer ihn am Donnerstag mit seiner Partnerin Jennifer Janse van Rensburg erlebte, wird nicht daran zweifeln, dass das Duo zumindest alles dafür geben wird, die Eiskunstlauf-Welt aus den Angeln zu heben.
Seit zehn Jahren starten Jenny und Benny, wie die beiden gern genannt werden dürfen, als Paar. Der Durchbruch in die Weltklasse gelang ihnen mit Rang 16 bei der WM in Boston (USA) im März 2025, mit dem sie Deutschland einen Quotenplatz für die Winterspiele sicherten. „Das war aus meiner Sicht der Startschuss für unsere erste Olympia-Kampagne“, sagt Benny, „für mich war von da an klar, dass wir uns auf die Spiele vorbereiten können.“ Jenny dagegen empfand die Einkleidung als „den Tag der Tage, ich konnte vor Aufregung gar nicht schlafen und fühle mich jetzt offiziell als Teil der Olympiamannschaft!“ Die endgültige Nominierung des Team D erfolgt zwar erst am 20. Januar durch den DOSB, aber spätestens seit sie im Dezember ihren fünften deutschen Meistertitel in Serie gewannen, steht für das Duo fest, dass der Traum von der Teilnahme an Olympischen Spielen Wirklichkeit wird. „Fünf Meistertitel, jeder für einen der olympischen Ringe, das ist unser Motto für die DM gewesen. Dass es jetzt klappt, ist einfach unglaublich“, sagt Jenny.
Die Geschichte, wie die beiden zu ihrem Sport und zueinanderfanden, ist kurios. Jenny betrieb als gebürtige Oberstdorferin auch leistungsmäßig alpinen Skisport, sah aber als Sechsjährige Eiskunstlauf im Fernsehen. „Das wollte ich auch, und als ich mich irgendwann entscheiden musste, bin ich beim Eiskunstlauf geblieben.“ Zunächst startete sie für den EC Oberstdorf im Einzel, wechselte aber, weil die ständigen Sprünge ein Patellaspitzen-Syndrom verursacht hatten, als 20-Jährige zum Eistanzen. „War aber nicht schlimm, weil ich schon immer eher eine ausdrucksstarke Läuferin als eine Springerin war“, sagt sie. Benny dagegen war zunächst in Chemnitz Eishockeyspieler, wurde aber, weil er regelmäßig seiner jüngeren Schwester bei deren Eislauftraining zuschaute, von der bekannten Chemnitzer Paarlauftrainerin Monika Scheibe bearbeitet, es doch auf dem Eis auch mal ohne Helm und Schläger zu probieren. „Irgendwann hatte sie mich weichgeklopft, als Zehnjähriger bin ich zum Eistanz gewechselt“, sagt er.
„Jeder in unserem Team kann der entscheidende Spieler sein“
Der Nachname Lichtlein hat einen hohen Stellenwert im deutschen Handball. Nils Lichtleins Großvater Artur und sein Onkel Carsten brachten es im Tor bis in die Bundesliga, seine Mutter Silke spielte in der 2. Bundesliga. Der 23 Jahre alte Rückraumspieler, der beim amtierenden Deutschen Meister Füchse Berlin einen Vertrag bis 2030 besitzt, steht seinen Verwandten allerdings in puncto sportlicher Erfolg in nichts nach. Im Gegenteil: 2023 wurde er beim WM-Triumph der deutschen U-21-Junioren als wertvollster Spieler ausgezeichnet, ein Jahr später schied er mit der A-Nationalmannschaft bei der EM im eigenen Land erst im Halbfinale gegen Dänemark aus. In dieser Woche startet der gebürtige Regensburger nun mit der DHB-Auswahl in Herning (Dänemark) in seine zweite Europameisterschaft, die Dänemark, Schweden und Norwegen gemeinsam ausrichten. Vorrundengegner sind am 15. Januar Österreich, zwei Tage später Serbien und zum Abschluss am 19. Januar Spanien (alle Spiele 20.30 Uhr). Im DOSB-Gespräch ordnet Nils Lichtlein die Aussichten für seine Mannschaft ein.
DOSB: Nils, nach dem 32:29-Erfolg in Kroatien am Donnerstag hatten viele den Eindruck, dass ihr für den EM-Start sehr gut gewappnet seid. Wie würdest du den Stand der Vorbereitung einordnen?
Nils Lichtlein: Wir haben wirklich eine herausragende Abwehr mit zwei Torhütern dahinter, die beide bewiesen haben, wie stark sie halten und uns Rückhalt geben können. Die meisten Gegentore sind durch technische Fehler in der Offensive entstanden. In der Abwehr sind wir für jedes Team unangenehm.
Viel Zeit, euch noch weiter einzuspielen, bleibt nicht, ihr habt noch das Rückspiel gegen Kroatien am Sonntag (18.05 Uhr/ARD und Dyn) und ein paar Trainingseinheiten vor der Abreise nach Dänemark. Welche sind die wichtigsten Baustellen, die noch geschlossen werden müssen?
Im Großen und Ganzen ist es eine Sache des Einspielens. Einige kennen sich aus ihren Vereinsteams, da ist das Zusammenspiel in den Blöcken gelebte Praxis. Andere müssen sich innerhalb weniger Wochen finden. Es geht also um Kleinigkeiten in der Abstimmung, die wir verfeinern müssen. Aber ich bin sehr guter Dinge, dass uns das in den Tagen bis zum EM-Start gut gelingen wird.
In der Vorrunde warten Spanien, Serbien und Österreich auf euch – drei Gegner, gegen die es nicht möglich ist, mal einen Gang zurückzuschalten. Manche haben eure Gruppe als „Horrorgruppe“ bezeichnet. Trifft das zu, oder ist es dir recht, vom Start weg voll gefordert zu werden?
Das ist tatsächlich ein zweischneidiges Schwert. Es ist schon hart zu wissen, dass man von Beginn an auf höchstem Level spielen muss, um die Hauptrunde zu erreichen und sich dafür eine gute Ausgangslage zu erarbeiten. Alle drei Gegner sind Topmannschaften, gegen die wir voll gefordert werden. Auf der anderen Seite kann es auch helfen, wenn man sich gegen solche Teams behauptet und dadurch zusätzliches Selbstvertrauen tankt. Deshalb sehe ich unsere Gruppe nicht als Horror, sondern als eine schöne Herausforderung an, der wir uns gern stellen.
Bei der WM 2025 hat euer Viertelfinal-Ausscheiden gegen Portugal für große Enttäuschung gesorgt. Was waren in den rund zwölf Monaten seitdem die wichtigsten Entwicklungsschritte, die ihr als Team gegangen seid?
Erst einmal werte ich es weiterhin als sehr gutes Zeichen, dass wir alle wirklich niedergeschlagen waren. Das zeigt unsere hohe Anspruchshaltung. Wir haben seitdem versucht, uns in jedem Spiel zu verbessern und den Fokus auf mehr Variabilität in Abwehr und Angriff zu legen. Das Spiel am Donnerstag in Kroatien hat unterstrichen, dass wir auf dieser Ebene einen wichtigen Schritt vorangekommen sind.
Wenn über euch als Team gesprochen wird, heißt es oft: Deutschland kommt über die Geschlossenheit, hat aber keinen Weltspitzenspieler. Wie kommt so etwas bei dir an, empfindest du es als despektierlich?
Nein, gar nicht. Für mich heißt das eher, dass jeder in unserem Team in jedem Spiel der entscheidende Spieler sein kann. Wir haben niemanden, der in jedem Spiel zehn Tore werfen muss, auf den sich dann aber auch alles fokussiert. Die breite und hohe Qualität in unserer Mannschaft ist unsere größte Stärke, und ich finde das sehr gut, denn das macht uns schwierig ausrechenbar.
Du warst vor drei Jahren Weltmeister mit den U-21-Junioren. Der Schritt vom Junioren- in den Erwachsenenbereich ist in vielen Sportarten schwierig, in einem so körperbetonten Spiel wie Handball noch einmal mehr. Wie ist dir dieser Übergang so gut gelungen?
Tatsächlich habe auch ich diesen Schritt als sehr hart empfunden. Es sind ja nicht nur die körperlichen Voraussetzungen, sondern auch die vielen Jahre Erfahrung, die gestandene Männer den Junioren voraushaben. So leid es mir für Fabian Wiede tat: Bei mir war es eine glückliche Fügung, dass er sich als mein Rückraumkontrahent im Verein verletzte und ich dadurch sehr viel Spielpraxis bekommen habe. Dazu kam, dass mich die Teamkollegen wirklich wahnsinnig gut unterstützt haben. Aber ein Dreivierteljahr hat die Übergangsphase schon gedauert.
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Isabel Gose ist „Sportlerin des Monats“ Dezember
Zweimal Gold und ein Europarekord: Schwimmerin Isabel Gose triumphierte bei der Kurzbahn-EM in Polen zunächst über 400 Meter Freistil, bevor sie sich auch über die 800 Meter Freistil - in neuer europäischer Bestzeit den EM-Titel sicherte. Die von der Sporthilfe geförderten Athletinnen und Athleten honorierten die Leistungen der Magdeburgerin und wählten sie mit 36,05 Prozent zur „Sportlerin des Monats“ Dezember 2025. Eine Auszeichnung, die sie bereits ein Jahr zuvor - im Dezember 2024 - erhalten hatte.
Isabel Gose setzte sich bei der Wahl gegen die Handball-Nationalmannschaft der Frauen (35,71%) und die U21-Hockey-Nationalmannschaft der Männer (28,23%) durch. Bei der Heim-WM gewannen die deutschen Handballerinnen in einem beeindruckenden mitreißenden Turnier die Silbermedaille. Trotz der verpassten Sensation im Finale ist es die erste WM-Medaille für die deutschen Frauen seit 18 Jahren. Die U21-Hockey-Junioren verteidigten ihren WM-Titel beim Junior World Cup in Indien. Damit feierte der DHB-Nachwuchs bereits den achten WM-Titel insgesamt.
Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.
Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen stimmen hier ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und
-athleten ab und verleihen der Auszeichnung damit ihre ganz besondere Bedeutung. Mit der Auszeichnung ist zudem eine Einladung zum Ball des Sports verbunden, der am 21. Februar 2026 in der Festhalle Frankfurt stattfindet.
Diese Events finden 2026 am Sportstandort Deutschland statt
Die Augen sportbegeisterter Fans in Deutschland sind 2026 oft ins Ausland gerichtet. Die bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Winterspiele in Italien (6. bis 22. Februar), die Fußballweltmeisterschaft der Männer in Nord- und Mittelamerika (11. Juni bis 19. Juli) oder die Handball-EM der Frauen in Osteuropa (3. bis 20. Dezember) rücken internationale Austragungsorte stark in den Fokus. Wer internationalen Spitzensport live erleben möchte, muss dafür aber nicht zwingend weit reisen, denn: Deutschland ist auch 2026 wieder gefragter Gastgeber zahlreicher Sportgroßveranstaltungen und Topevents aus olympischen und nicht-olympischen Sportarten.
Damit auch ihr jetzt schon euer Sportjahr 2026 im eigenen Land planen könnt, haben wir eine Liste von Events zusammengestellt, die im Laufe des Jahres in Deutschland stattfinden. Sie zeigt, wie vielfältig der Sportkalender hierzulande ist - vom Wintersport über nationale und internationale Turniere bis hin zu Welt- und Europameisterschaften.
Internationale Sportveranstaltungen und Topevents aus olympischen und nicht-olympischen Sportarten, die 2026 in Deutschland stattfinden
Die Neuheiten bei den Olympischen Winterspielen 2026
Wie auch schon zu den Olympischen Spielen in Paris gibt es zu den Winterspielen in Mailand Cortina wieder einige Neuerungen.
Hier eine Übersicht.
Ein Debüt, viele Neuheiten
Skibergsteigen, kurz Skimo (Skimountaineering), feiert im italienischen Bormio sein olympisches Debüt. Pro Nation dürfen je zwei Frauen und Männer im Sprint und in der Mixed-Staffel starten, wo kurze, anspruchsvolle Kurse mit Aufstieg, Abfahrt und Tragepassagen bewältigt werden.
Neben diesem Debüt wurden neue Events in das Programm aufgenommen.
Die Rennrodlerinnen bekommen in Cortina d'Ampezzo einen Doppelsitzer-Wettkampf. Dieser war bereits bei den Männern etabliert und ergänzt das bestehende Programm von Einsitzer und Team-Staffel. Das Skeleton bekommt ebenfalls Zuwachs. Wie auch das Rennrodeln findet es im neuen Sliding Centre in Cortina statt und wird ergänzt durch eine Mixed-Staffel.
Im Skispringen werden die Disziplinen der Frauen durch Medaillenkämpfe auf der Großschanze vervollständigt. Bisher bestand deren Wettkampfprogramm nur aus dem Springen von der Normalschanze und dem Mixed-Team-Springen. Im Freestyle-Ski sind die Parallel-Wettbewerbe für Männer und Frauen erstmals dabei. Die sogenannten Dual Moguls werden in Livigno für große Showeinlagen sorgen und ergänzen das breite Programm von nun 15 Wettbewerben.
Die neue, nach Geschlechtern getrennte Team-Kombination feiert im alpinen Skisport ihre Premiere. Sie ersetzt Parallel-Team-Event und die Einzel-Kombinationsrennen und besteht aus Abfahrt und Slalom. Diese werden jeweils von zwei Athlet*innen eines Teams bestritten. Der Mannschaftswettbewerb in der Nordischen Kombination wird durch einen Teamsprint mit zwei Starter*innen ersetzt, bestehend aus einem Sprungwettbewerb und einer Langlaufstaffel. Abschließend gibt es im Skilanglauf eine Angleichung der Renndistanzen. Demnach gelten bei den Wettkämpfen im Val di Fiemme die gleichen Distanzen für Männer und Frauen.
Die geschlechtergerechtesten Winterspiele
Dank der Einführung neuer Mixed- und Frauen-Events werden die Olympischen Winterspiele 2026 die bisher geschlechtergerechtesten Winterspiele sein, mit einem Frauenanteil von 47 Prozent (im Vergleich zu 45,4 Prozent bei den Winterspielen 2022 in Peking).
„Die Olympiabewerbung ist ein Gewinnerthema geworden“
Thomas Arnold ist am Hauptsitz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise der Dinosaurier. Seit er 1994 als persönlicher Referent des damaligen Präsidenten Walther Tröger in das Nationale Olympische Komitee (NOK) einscherte, arbeitet der 58-Jährige für den deutschen Sport. Der Rheinländer, geboren in Bonn, erlebte die Fusion von NOK und Deutschem Sportbund (DSB) zum DOSB im Mai 2006 als Abteilungsleiter Finanzen des NOK, wurde danach Direktor für Finanzen und ist seit 2014 Vorstand Finanzen. Zum Start unserer Serie „20 Jahre DOSB“, in der wir bis zum Tag des 20-jährigen Bestehens am 20. Mai jede Woche ein Thema aus der DOSB-Historie beleuchten, spricht Thomas Arnold über seine Erinnerungen an die vergangenen 20 Jahre.
DOSB: Thomas, du bist in der DOSB-Spitze aus Präsidium und Vorstand der Einzige, der bei der Gründung des DOSB schon im Amt war. Wie erinnerst du dich an den Tag der Fusion zurück?
Thomas Arnold: Es war eine sehr besondere Stimmung, die auch etwas von einem Neuanfang hatte. Im DSB und im NOK gab es viele Mitarbeitende, die befreundet waren, wir haben miteinander Fußball gespielt und sind auch mal gemeinsam in der Kneipe gewesen. Zwischen den Gremien war die Stimmung nicht immer so harmonisch, es gab neben dem Bedürfnis voranzumarschieren auch ein gewisses Misstrauen auf allen Seiten. Ein erster Versuch einer Fusion war gescheitert, aber 2006 war auf beiden Seiten die Überzeugung gegeben, dass man auf Augenhöhe zueinanderfinden konnte. Ich war damals Abteilungsleiter Finanzen im NOK und hatte ebenfalls das Gefühl, dass die Gelegenheit günstig war. Ich glaube, dass es geholfen hat, dass Thomas Bach als „weißer Ritter“ kam und die erste Präsidentschaft im neu gegründeten DOSB übernahm, so dass es nicht einer der Präsidenten der beiden Vorgängerorganisationen machen musste. Ich bin dann in der neuen Organisation zum Direktor für Finanzen ernannt worden.
Worin hast du damals in der Fusion die größte Schwierigkeit gesehen, und worin die größte Chance?
Für den neuen DOSB war die größte Schwierigkeit das Zusammenbringen der Gremien. Die Steuerung des Leistungssports lag beim DSB, das NOK hat sich um die internationalen Verbindungen und das Games Management gekümmert. Wir waren dort damals nur rund 20 Leute. Das alles neu zu organisieren und fair zu verteilen, ohne dass sich jemand benachteiligt fühlen musste, war nicht einfach, hat aber überwiegend gut funktioniert. Die größte Chance war ganz eindeutig, dass der Sport endlich mit einer einheitlichen Stimme sprechen konnte.
Warum war die Fusion damals richtig oder falsch?
Sie war richtig, weil es unnötig war, zwei übergeordnete Dachorganisationen zu haben. Es gab in allen Ländern ein NOK, aber nur in wenigen eine zweite Organisation. Wirtschaftlich konnte durch die Fusion der Fortbestand vieler Aufgaben gesichert werden. Natürlich mussten wir uns in der wirtschaftlich angespannten Lage auch von Mitarbeitenden trennen. Aber es sind keine Kompetenzen weggefallen, wir haben es so sozialverträglich wie möglich umgesetzt und konnten durch die Zusammenlegung auch wichtige Synergien schaffen.
Welche Fragen oder Herausforderungen standen vor 2006 im Mittelpunkt deiner persönlichen Arbeit, und wie haben sich diese über die vergangenen 20 Jahre verändert?
Ich habe bereits als Abteilungsleiter Finanzen im NOK wirtschaftliche Krisen überstehen müssen, und die größte Herausforderung für mich war nach der Fusion zunächst die wirtschaftliche Gesundung und das Zusammenführen der beiden Geschäftsstellen. Ich wusste um die finanzielle Lage des DSB, schon im ersten Monat musste rund eine Million Euro eingespart werden. Auch danach musste ich einige Male durch wirtschaftliche Talsohlen. Mein Gefühl ist, dass über die Jahre die Arbeit politischer geworden ist. Wir brauchen etwas mehr Rationalität im Sport. Verändert hat sich außerdem die Umlaufgeschwindigkeit. Die Arbeitsintensität ist doppelt so hoch, obwohl sich die Technik enorm verbessert hat. Als ich 1994 als persönlicher Referent von NOK-Präsident Walther Tröger begann, waren Mobiltelefone und das Internet noch kein Thema…
Was sind die Vorteile daran, so viel Erfahrung im Job zu haben wie du, und wo lauern vielleicht auch Gefahren darin?
Der Vorteil liegt darin, dass man sehr viele Hintergrundinformationen hat, die einen die Vorgänge viel leichter beurteilen lassen. Dazu kommt, dass ich mir über die Jahre ein großes Netzwerk flechten konnte, von dem ich in vielen Situationen profitiere. Die Gefahren? Einerseits sehe ich das Problem, dass man betriebsblind werden kann. Da versuche ich bewusst gegenzusteuern. Andererseits kann eine so lange Zugehörigkeit zu einem Unternehmen oder einer Organisation bewirken, dass man Neuem zu kritisch gegenüberstehen könnte. Man muss aber mutig weitergehen und Chancen ergreifen. Ich bin zum Beispiel ein großer Freund von technischen Neuerungen wie jetzt die KI. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, neue Dinge zu wagen. Zum Beispiel wollten wir in der Zeit, in der StudiVZ als Onlineplattform modern war, gemeinsam mit der Holtzbrinck-Gruppe ein SportVZ machen. Wir haben dann Splink gegründet, waren damit aber zu früh dran, das hat nicht funktioniert. Besser lief es bei sportdeutschland.tv, eine Streamingplattform, die dafür sorgt, dass auch die ganze Vielfalt des Sports ins Bewegtbild kommt. Wir sind im Sport in unseren ehrenamtlichen Strukturen manchmal etwas träge, aber wir müssen uns immer weiterentwickeln.
Was ist die wichtigste Eigenschaft, die es braucht, um so lange auf demselben Posten auszuharren?
Neben der notwendigen Expertise für das Fachgebiet vor allem Resilienz. Man braucht ein dickes Fell und große Begeisterung für die Sache. Im Sport ist es ja zudem das Besondere, dass wir alle eine intrinsische Motivation für das haben, für das wir arbeiten. Das ist ein Privileg. Gemeinschaft im positiven Sinn ist das Wichtigste, was wir in unserer Gesellschaft brauchen. Und was man im Sport dahingehend erlebt, ist unbezahlbar. Das hat mein Leben stark geprägt.
Welche drei Ereignisse aus den ersten 20 Jahren DOSB waren für dich die prägendsten und warum?
Als erstes das Zusammenwachsen der beiden Geschäftsstellen. Dann die Olympiabewerbungen. Leipzigs Scheitern für die Sommerspiele 2012 fiel noch in meine Zeit im NOK, aber danach gab es ja mit dem negativen Hamburger Referendum 2015 und den vergeblichen Anläufen Münchens für Winterspiele bittere Enttäuschungen. Umso hoffnungsvoller bin ich nun für unsere anstehende Bewerbung um die Sommerspiele für 2036, 2040 oder 2044. Am prägendsten aber war die Bewältigung der Coronakrise.
Was hast du daran als besonders einschneidend erlebt?
Im Jahr 2020 liefen alle Vermarktungsverträge aus. Dann kam im März Corona. Ich habe viele Nächte nicht geschlafen, weil niemand wusste, wie es weitergehen würde. Würden die Spiele stattfinden? Würden Wirtschaftspartner abspringen? Was, wenn die Menschen nicht mehr Lotto spielen und uns damit eine weitere wichtige Geldquelle versiegen würde? Es gab so viele Unwägbarkeiten, ich hatte große Sorge, dass wir viele Mitarbeitende würden entlassen müssen. Das ganze Haus ist in Kurzarbeit gegangen, niemand wusste, wie lange wir noch Geld haben würden. Ich war mit einer Sondergenehmigung jeden Tag im Büro und traf dort auf nur ganz wenige Kolleginnen und Kollegen. Das war manchmal ziemlich verstörend, wir waren lange Zeit im Krisenmanagement. Wir haben zum Glück ein sehr hohes Engagement unserer Wirtschaftspartner erfahren, welches die Grundlage dafür war, dass wir die Krise gemeistert haben. Wenn Thomas Bach es als IOC-Präsident nicht geschafft hätte, die Spiele in Tokio mit einem Jahr Verspätung durchzuführen, wäre es für uns trotzdem sehr schwierig geworden. Dass im Rückblick die Jahre 2020 und 2021 die besten Lotto-Jahre waren, ist verrückt, aber natürlich nicht planbar. Aber in der Krise scheinen die Leute auf Glücksspiel zu setzen.
Geld ist eigentlich immer zu wenig da. Aber gab es neben der Coronakrise Zeiten, in denen du als Vorstand Finanzen ernsthaft um die Existenz des DOSB gezittert hast?
Ja, dies ist mehrfach in den 20 Jahren vorgekommen. Bei der Fusion angefangen, die Anschubfinanzierung vom Staat kam erst zwei Jahre später, da mussten wir durchaus zittern. Aber Corona war mit Abstand die schlimmste Krise.
Der Tausendsassa, der Olympia im Herzen trägt
Wäre der schöne Begriff „Tausendsassa“ nicht schon im 18. Jahrhundert entstanden, dann müsste man ihn heute für Moritz Fürste erfinden. In der deutschen Sportfamilie kennt man den 41-Jährigen zwar noch immer in erster Linie als Hockey-Idol, doch die internationale Wahrnehmung hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Seit Fürste mit seinem Geschäftspartner Christian Toetzke im Jahr 2017 den Fitnesswettkampf Hyrox als neue Sportart aus der Taufe hob, lernen ihn die meisten Menschen als Unternehmer kennen. „Die sind dann oft überrascht, wenn sie mitbekommen, dass ich auch mal ganz erfolgreich Hockey gespielt habe“, sagt der Hamburger beim Gespräch in einem Café im Stadtteil Eppendorf, wo er einige Jahre gelebt hat.
Wer Moritz Fürste schon lange kennt und ihn längere Zeit nicht persönlich trifft, erlebt solche Gespräche wie im Zeitraffer. Im September begleitete er Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) auf eine Dienstreise nach Indien, wo er mehrere Spielzeiten in der Hockey-Profiliga gespielt hatte und 2013 mit den Ranchi Rhinos Meister geworden war. Im Advent war er für eine Woche in Melbourne, um dem Hyrox-Hype in Australien vor Ort den Puls zu fühlen. Vor dem Jahreswechsel ging es für vier Tage zum Dubai World Sport Summit. Zwischendurch Weihnachten und Silvester in der Heimat. Man fühlt sich mit ihm manchmal wie im Märchen von Hase und Igel: Egal, wo der Hase läuft, Mo ist immer schon dagewesen. Wobei es ihm nicht in den Sinn käme, sich einzuigeln; wenn es bunt und laut wird, ist es meist er, der den Ton angibt.
Seit gut einem Monat tut er dies auch in seinem Heimatverein Uhlenhorster HC. Zwar war er schon Gesicht und Stimme des Clubs, seit er dort als 19-Jähriger in der Bundesliga debütierte und die „Uhlen“ zwischen 2008 und 2012 zu drei Triumphen in der Euro Hockey League führte. Aber nachdem er im November den nach 23 Jahren Amtszeit abgetretenen Präsidenten Horst Müller-Wieland beerbte, ist er nun offiziell der „erste Mann“ im UHC. Geplant war das nicht. „Ich hatte ungefähr ein Jahr lang den Prozess der Nachfolgefindung mitgestaltet, ohne dass ich darüber nachgedacht habe, dass ich es selbst machen könnte“, sagt er.
Seit November ist er Präsident des Uhlenhorster HC
Dann jedoch beschloss man im 1901 gegründeten Traditionsverein aus dem Hamburger Nordosten, die Rolle des Ersten Vorsitzenden anders zu definieren und die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, „und auf einmal ergab es Sinn, dass ich übernehme. Ich hätte es mir prinzipiell eher in fünf Jahren vorstellen können, aber man kann nicht alles immer perfekt timen.“ Weil er sich in den vergangenen Jahren bereits in der Kaderplanung und im Sponsoring eingebracht hatte, rechnet er nicht damit, dass sich der ehrenamtliche Aufwand durch das neue Amt signifikant erhöht. Wäre angesichts der gut 60 Wochenstunden, die er für Hyrox aufbringt, auch schwierig. „Am Anfang wird es sicherlich manchmal etwas belastend, aber ich bin gut darin, Dinge zu priorisieren und zu strukturieren, und ich weiß, dass ich mich zu 100 Prozent auf mein Team verlassen kann“, sagt er.
Es ist Moritz Fürstes Glück - und zu einem guten Teil sicherlich auch sein Geschick -, in allen Lebenslagen stets die richtige Begleitung zu finden. Das ist im Privatleben so, in dem ihm seine Ehefrau Stephanie viel Verständnis für seine multiplen Verpflichtungen entgegenbringt. Das ist im Geschäftsleben so, wo er während seines dualen Studiums in der Werbebranche in Michael Trautmann einen wichtigen Mentor fand und heute im Hyrox-Kontext in Toetzke den perfekten Kompagnon hat. Das ist im Verein so, wo ihm ein aus acht weiteren Personen bestehender Vorstand den Rücken freihalten wird, wenn er wegen seiner beruflichen Verpflichtungen im Ehrenamt kürzer treten muss. Und das war auch im Leistungssport so, in dem Fürste als Mittelfeldregisseur zwar all seine Teams zu Titeln führte, darunter die beiden Olympiasiege 2008 und 2012. Aber in dem er lernte, dass Erfolg immer auf dem Zusammenwirken einer Gemeinschaft basiert. „Diese Werte, die ich im Sport mitbekommen habe, sind für mich auch im Berufsleben Leitmotive geblieben, die mir extrem wichtig sind“, sagt er.
Kein Wunder also, dass er sich dem Sport weiterhin auf vielen Ebenen verbunden fühlt. Auf Hyrox liegt dabei selbstverständlich der Fokus. Voraussichtlich im August dieses Jahres entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über Neuaufnahmen ins Programm der Sommerspiele 2032 in Brisbane (Australien), und Hyrox - bestehend aus acht unterschiedlichen Fitness-Workouts, an die sich jeweils ein 1.000-Meter-Lauf anschließt - ist als Disziplin im Dunstkreis des Triathlons im Auswahlprozess vertreten. „Wir stellen gerade mit dem Triathlon-Weltverband die Kooperation fertig und hoffen dann auf die Zusage“, sagt Moritz Fürste.
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Innovation im Sport fördern
Der DOSB-Innovationsfonds-Sportentwicklung fördert seit 2007 Projekte der Mitgliedsorganisationen in ausgewählten Handlungsfeldern der Sportentwicklung. Mit verschiedensten Themenschwerpunkten, darunter „Umwelt- und Naturschutz im Sport“, „Förderung des freiwilligen Engagements von Frauen und Mädchen“, „Mitgliederentwicklung“, „Inklusion“ oder „Familie und Sport“, unterstützt das Förderprogramm innovative Entwicklungen und modellhafte sowie transferfähige Handlungsansätze.
Der Jahrgang 2023/2024
Der Innovationsfonds 2023/2024 mit dem Schwerpunkt „Förderung von Ehrenamt und freiwilligem Engagement im Sport“ unterstützte 26 Mitgliedsorganisationen in ihrer Arbeit Mit einem Projektvolumen inklusive Eigenmittel der Verbände von rund 650.000 Euro, die Fördersumme des DOSB beläuft sich auf 178.000 Euro, entstanden vielfältige, praxisnahe und transferfähige Projekte. Von modernen Qualifizierungs- und Ausbildungskonzepten für Trainer*innen, Vorständ*innen und Ehrenamtskoordinator*innen über digitale Tools und Plattformen zur Entlastung der Vereinsarbeit bis hin zu Maßnahmen zur Unterstützung eines strategischen Ehrenamtsmanagements. Ziel ist es, dem zunehmenden Mangel an Engagierten entgegenzuwirken und nachhaltige Impulse für die Vereins- und Verbandsarbeit zu setzen. Begleitet wurden sie bis April 2025 vom DOSB über ein digitale Wissensnetz, Digitale Meetings, Expert*innensprechstunden sowie interaktive Formate.
Ausgewählte Projekte
Aus dem Innovationsfonds 2023/2024 stellen wir ausgewählte Projekte aus den einzelnen Themenfeldern (Digitalisierung/Qualifizierung & Ausbildung/Strategisches Ehrenamtsmanagement & Konzepte/Vereinsberatung & Schulung) vor. Die Projekte bieten Inspiration für zukünftige Projekte oder laden zum Transfer der bereits ausgearbeiteten Konzepte und Maßnahmen ein.
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Was hat sich 2025 für den Sport bewegt?
Zum Ende des Jahres zeigt sich, wie vielfältig die Themen waren, die den Sport in Deutschland beschäftigt haben. Vom Wachstum im Vereinssport über neue politische Impulse bis hin zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen und internationalen Wettbewerben spannt sich der Bogen eines Jahres.
Wir gehen gemeinsam durch ein paar Highlights des Sportjahres 2025.
Ein Jahr der Zuschauerrekorde
Was haben Fußball, Eishockey, Tischtennis, Handball, Basketball und die Finals 2025 gemeinsam? Für alle war das vergangene Jahr bzw. die vergangene Saison rekordwürdig.
Der Sport ist mit seiner gesellschaftlichen Bedeutung einmalig. In zahlreichen Sportarten wurden 2025 neue Zuschauerrekorde aufgestellt. Das zeigt, dass Sport Millionen von Menschen in Deutschland fasziniert und ein Antrieb für Wirtschaft und Gesellschaft ist.
Ein Überblick.
Deutsche SchützenZeitung: Großes Interview mit Bundestrainer Detlef Glenz
Lara Broich und Kristian Mehringer sind „DOSB Trainer*in des Jahres“ 2025
Im Rahmen der Gala „Sportler des Jahres“ am Sonntag, 21. Dezember 2025, in Baden-Baden erhielten Lara Broich und Kristian Mehringer den Preis als Anerkennung ihres herausragenden Engagements für ihre Athlet*innen und ihre Sportarten.
Lara Broich ist damit die erste Trainerin aus dem Nachwuchsbereich, die den renommierten Preis erhält. Schon mit 25 Jahren übernahm sie 2015 das Amt der Schülerinnen-Bundestrainerin. Bereits seit 2010 gehörte sie dem Bundestrainer-Team als Assistenztrainerin an und war u.a. bei Jugend-Europameisterschaften als Coach im Einsatz. Höhepunkt ihrer bisherigen Trainerinnen-Karriere und Grund für die Auszeichnung als „Trainerin des Jahres“ war ihr Anteil am Gewinn des U19-Weltmeister-Titels von Annett Kaufmann Ende 2024 in Helsingborg (Schweden). Lara Broich führte Kaufmann als erste Nicht-Asiatin seit 2003 zum Jugend-WM-Titel. Außerdem gelang dem Team um Lara Broich zusätzlich der Gewinn der Bronzemedaille im Doppel sowie Bronze im Einzel.
Athletin Annett Kaufmann fand in ihrer Laudatio passende Worte für ihre Trainerin: „Lara hat meine Entwicklung als Spielerin und als Mensch entscheidend mitgeprägt. Sie war meine Bundestrainerin, als ich im Alter von zehn Jahren mein Debüt im Nationaltrikot gab - und sie stand auch an meiner Seite, als ich 2024 die U19-Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Viele der gemeinsamen Erfolge sind erst durch unser großes, gegenseitiges Vertrauen möglich geworden. Bis heute noch kann ich immer auf sie zählen. Danke für alles, Lara - du hast dir Deinen Preis redlich verdient!“
Lara Broich zeigte sich berührt: „Es ist ein wichtiges Zeichen des DOSB, dass die sehr wichtige Arbeit, die wir Trainerinnen und Trainer im Nachwuchsbereich leisten, gesehen und wertgeschätzt wird. Als erste Trainerin aus dem Nachwuchsbereich diesen Preis entgegennehmen zu dürfen, ist für mich eine große Ehre.“
„Würden wir Dienst nach Vorschrift machen, würde das System nicht funktionieren“
Lara Broich (Tischtennis Bundestrainerin U19 Damen) und Kristian Mehringer (Biathlon Bundestrainer Damen) sind vom DOSB als Trainer*in des Jahres 2025 ausgezeichnet worden. Im Rahmen der Gala „Sportler des Jahres“ am Sonntag, 21. Dezember 2025, in Baden-Baden erhielten Lara Broich und Kristian Mehringer den Preis als Anerkennung ihres herausragenden Engagements für ihre Athlet*innen und ihre Sportarten.
DOSB: Lara, Kristian, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Welche Bedeutung hat diese für euch ganz persönlich?
Kristian Mehringer: Das ist eine der höchsten Auszeichnungen, die wir im deutschen Sport erhalten können, insofern fühle ich mich natürlich sehr geehrt und sie bedeutet mir enorm viel. Ich hätte nie gedacht, dass ich da auch nur mal in die Nähe kommen würde, und ich frage mich schon, warum ausgerechnet ich das verdient habe. Klar ist: Ohne die Athletinnen und Athleten, die die Erfolge einfahren, wäre eine solche Auszeichnung niemals möglich, das möchte ich betonen.
Lara Broich: So viel ich weiß, gab es noch nie eine Bundestrainerin aus dem Nachwuchs, die diesen Preis gewinnen konnte. Insofern fühle ich mich umso geehrter. Es ist ein wichtiges Zeichen des DOSB, dass die sehr wichtige Arbeit, die wir Trainerinnen und Trainer im Nachwuchsbereich leisten, gesehen und wertgeschätzt wird. Ich pflichte Kristian bei, dass es ohne das entsprechende Zutun unserer Sportlerinnen und Sportler nicht möglich wäre, so eine Ehrung zu erhalten. Und auch ich frage mich, was wohl dazu geführt hat, dass ich mit diesem Preis bedacht werde.
Für welche eurer Eigenschaften oder Fähigkeiten würdet ihr euch einen Preis verleihen?
Lara: Ich könnte mir vorstellen, dass mein ganzheitlicher Ansatz zur Bewertung viel beigetragen hat. Ich versuche, die verschiedenen Teilbereiche zu verbinden, die für eine umfassende Betreuung wichtig sind. Und dass ich Annett Kaufmann dabei unterstützen konnte, als erste Nicht-Asiatin U-19-Weltmeisterin zu werden, in Kombination mit dem dritten Platz von Mia Griesel bei derselben Jugend-WM, war sicherlich ausschlaggebend.
Kristian: Sportlicher Erfolg der eigenen Athleten ist ohne Frage ein entscheidender Faktor. Bei mir dürfte dazukommen, dass ich schon lange Zeit im System bin und dadurch viel Erfahrung habe und viele Sportler schon über Jahre begleite. Außerdem achte ich sehr auf eine gute Kooperation mit dem Verband, um optimale Abstimmung zu gewährleisten. Ich sehe mich aber nur als Stellvertreter für die vielen anderen Trainerinnen und Trainer, die eine ebenso fundierte Arbeit leisten.
Was zeichnet denn aus eurer Sicht einen herausragenden Trainer aus, wie unterscheidet sich eine sehr gute von einer guten Trainerin?
Kristian: Persönlich ist mir wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen und bei den Trainingseinheiten vor allem ohne Schießen die Athletinnen direkt zu begleiten, anstatt nur im Auto zu sitzen. Das festigt die Beziehung zu den Sportlerinnen und Sportlern. Und die sollten immer im Vordergrund stehen. Einen sehr guten Trainer zeichnet aus, dass er sich nicht zu wichtig nimmt und seine Arbeit von den Athletinnen und Athleten reflektieren lässt. Befehl und Gehorsam, so wie es in meiner Zeit als jugendlicher Athlet noch war, ist heute nicht mehr angesagt. Heute geht es darum, sich individuell auf die Einzelnen einzustellen, Spaß an dem zu haben, was man tut, und das auch vorzuleben. Ab einem gewissen Reifegrad der Sportlerinnen und Sportler ist man dann nur noch Berater, weil sie ihr Training dann schon selbstständig unter Beratung und Abstimmung planen können und in der Trainingseinheit nur noch auf Schwerpunkte bei der Durchführung geachtet werden kann.
Lara: Gerade in einer Einzelsportart wie Tischtennis sollte man sich als Trainerin nicht wichtig nehmen, sondern die Athletinnen und Athleten als Individuen betrachten, an die es sich anzupassen gilt. Sie müssen in die Lage gebracht werden, das Maximum herauszuholen, und das funktioniert nur, wenn ich als Trainerin ebenfalls den Anspruch habe, jeden Tag 100 Prozent zu geben.
Ihr arbeitet in unterschiedlichen Bereichen. Wo ähnelt sich die Arbeit im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich, und wo sind die größten Unterschiede?
Lara: Im Nachwuchs braucht es naturgemäß mehr Führung. Ich möchte mithelfen, Athletinnen und Athleten zur Selbstständigkeit zu erziehen, und ihnen etwas für ihren Weg im Leben mitgeben - ganz unabhängig davon, ob sie später den Sprung in den Top-Bereich der Erwachsenen schaffen oder nicht. Alter ist dabei kein Indikator für den Reifezustand. Der einen kann ich mit 18 viele Freiräume lassen, die andere braucht eine intensivere Betreuung. Die wichtigste Ergänzung zwischen unseren beiden Welten ist sicherlich die, dass wir den Trainern im Erwachsenenbereich viel Arbeit abnehmen können, wenn wir im Nachwuchsbereich schon für Struktur sorgen. Je früher wir damit beginnen, desto eher können aus Trainern Berater werden.
Kristian: Die Athletinnen kommen bei mir mittlerweile ja schon mit 18, 19 Jahren in den Leistungskader der Erwachsenen, also haben wir zwischen Nachwuchs und Erwachsenenbereich eine immer größere Verzahnung, und ich arbeite gern daran, Persönlichkeiten zu entwickeln. Mein Gefühl ist, dass das Zusammenspiel gerade sehr gut funktioniert. Die Dynamik im Team zwischen Jugend und Erfahrung ist sehr wichtig.
Wundervolle Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr
Noch bis 31. Dezember Digitalförderung sichern
Mit den beiden Angeboten unterstützt der DOSB gemeinsam mit der Digitalagentur und dem Technologie-Förderer NETZCOCKTAIL (Vereinswebsite) sowie der vmapit GmbH (Vereinsapp) Sportvereine und -verbände gezielt bei ihrer digitalen Weiterentwicklung.
Die „Sportdeutschland Deine Vereinswebsite“ bildet dabei das zentrale digitale Aushängeschild eines Vereins oder Verbandes: modern gestaltet, professionell umgesetzt und speziell auf die Bedürfnisse des organisierten Sports zugeschnitten. Sie hilft dabei, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, neue Mitglieder und Unterstützende anzusprechen und Informationen übersichtlich und aktuell bereitzustellen. Die „Sportdeutschland Deine Vereinsapp“ ist die umfassende digitale Service- und Organisationsplattform für Vereine und Verbände. Sie ist weit mehr als ein reines Kommunikationsmittel und bündelt zentrale Vereinsprozesse in einer Anwendung. Von News und Push-Nachrichten über Termin- und Kursübersichten bis hin zu Teamstrukturen, geschützten Bereichen und der gezielten Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. So entstehen digitale Lösungen, die den Vereinsalltag spürbar erleichtern.
Digitale Sichtbarkeit stärken – Organisation vereinfachen
Eine moderne Website und eine leistungsfähige App gehören heute zu den wichtigsten digitalen Grundlagen im Vereinsalltag. Ob aktuelle Informationen, Kurs- und Trainingsangebote, Terminübersichten oder interne Kommunikation: Die beiden Sportdeutschland-Lösungen helfen dabei, Prozesse zu digitalisieren, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und die Bindung zu Mitgliedern nachhaltig zu stärken. Wirkungsvoll ist dabei auch das Zusammenspiel von Vereinswebsite und Vereinsapp: Inhalte können aufeinander abgestimmt, Informationen zentral gepflegt und über verschiedene Kanäle zielgerichtet ausgespielt werden. So entsteht eine konsistente digitale Präsenz, die Vereinen und Verbänden zusätzliche Reichweite und Effizienz bietet.
Die Angebote richten sich sowohl an kleine als auch an große Vereine und Verbände. Dank modularer Leistungspakete können Website und App individuell an die jeweiligen Bedarfe angepasst werden. Eine persönliche Beratung, professionelles Design sowie technischer Support sind feste Bestandteile der Förderaktionen.
Noch freie Kontingente – Bewerbung weiterhin möglich
Die Förderaktionen laufen noch bis zum 31. Dezember 2025. Vereine und Verbände, die sich bis zu diesem Zeitpunkt melden, fallen noch in den aktuellen Aktionszeitraum. Interessierte sollten sich daher frühzeitig informieren und ihre Teilnahme sichern, solange Kontingente verfügbar sind. Über eine mögliche Fortsetzung der Aktionen wird zu gegebener Zeit informiert. Die Beantragung erfolgt unkompliziert über die jeweiligen Projektseiten, inklusive kostenfreier und unverbindlicher Beratungsmöglichkeiten.
Barrierefreiheit im Fokus
Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf dem Thema digitale Barrierefreiheit. Vor dem Hintergrund neuer gesetzlicher Anforderungen durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) bieten sowohl die Vereinswebsite als auch die Vereinsapp von Sportdeutschland die Voraussetzungen für die gesetzlich vorgeschriebene barrierearme Nutzung. Klare Strukturen, gut lesbare Inhalte und technische Standards sorgen dafür, dass digitale Vereinsangebote möglichst vielen Menschen zugänglich sind. Ein wichtiger Schritt für mehr Teilhabe im organisierten Sport.
Diese Verbesserungen für Sportvereine und Ehrenamtliche kommen 2026
Das Steueränderungsgesetz enthält spannende und wichtige Neuerungen für alle Sportvereine in Deutschland.
Das Steuer-was? Genau. Noch nie gehört und wenn doch, dann wahrscheinlich nicht so richtig verstanden. Dabei ist für Vereine wichtig, was dort drin steht. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hilft deshalb bei der Übersetzung.
Die Bundesregierung hat im September den Entwurf des Steueränderungsgesetzes 2025 beschlossen, der Bundesrat am 19. Dezember zugestimmt. Dadurch treten zum Jahresbeginn 2026 neue steuerliche Regelungen in Kraft, die vor allem Sportvereine und ehrenamtlich Engagierte entlasten sollen. Ziel ist es, Bürokratie abzubauen, das Ehrenamt attraktiver zu machen und Vereinen mehr finanziellen Spielraum zu geben.
Die Änderungen sind zugleich das Ergebnis einer über viele Jahre hinweg beharrlichen Interessenvertretung des organisierten Sports, der sich lautstark für bessere rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen für Vereine eingesetzt hat.
Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:
Bildung: Überraschungsgeschenke für Schnellbucher & B- und A-Trainerfortbildungen online
ISSF: Regeländerungen ab 1.1.2026
DSJ: Vielfältiges Bildungs-Angebot für Engagement und Qualifikation
Lisas Literatur-Likes: Hier gibt es Weltklasse-Weihnachtstipps
Heute gibt es die etwas andere Version von „Lisas Literatur-Likes“. Kurz vor Weihnachten bekommt ihr Inspirationen für gute Bücher zum Verschenken. Ich wünsche euch frohe Festtage und alles Gute für das Jahr 2026, in dem ich euch mit neuen Literatur-Likes versorgen werde.
Roman deutschsprachige*r Autor*in: Julia Engelmann - „Himmel ohne Ende“
Julia Engelmann ist mit ihrem Programm „Eines Tages, Baby“ als Poetry-Slammerin bekannt geworden. Ihr Debütroman geht direkt ins Herz. Melancholisch, poetisch, einfühlsam. Die 15-jährige Charlie scheint gefangen in ihrem eigenen Leben. Sie hat ihren Vater früh verloren, ist unglücklich verliebt und plötzlich die Außenseiterin der Klasse. Bis sie Pommes kennenlernt, der ihr hilft, den Sinn und den Mut für das eigene Leben zu finden. „Himmel ohne Ende“ ist ein zutiefst berührender Roman, der es schafft, Themen wie Erwachsenwerden, Selbstzweifel, Liebe und Verlust hoffnungsvoll darzustellen.
Roman internationale*r Autor*in: Benjamin Myers - „Offene See“
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verlässt Robert sein Elternhaus in Nordengland und lernt die deutlich ältere Dulcie kennen. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft mit tiefgründigen Gesprächen, durch die vor allem Robert wächst und der Antwort auf die Frage, wie man seinen eigenen Weg findet, näherkommt. Ein ruhiger und poetischer Roman mit ästhetischem Gespür für Natur und Landschaft.
Thriller/Krimi deutschsprachige*r Autor*in: Die Nele-Neuhaus-Krimireihe
Die Krimireihe um das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ist spannend und mitreißend geschrieben. Jeder Band ist in sich geschlossen. Um die Lebensumstände und Entwicklung von Kirchhoff und Bodenstein besser zu verstehen, bietet es sich jedoch an, in chronologischer Reihenfolge vorzugehen. Der Umstand, dass die Krimis im Taunus spielen, ist für mich das i-Tüpfelchen.











