Weltcup München: Das DSB-Team steht
Sportvereine im Fokus: Drei Aktionen für Sichtbarkeit und Engagement
„In Deutschland ist der Druck größer als überall sonst in der Welt“
Auf dem Derbygelände im Hamburger Stadtteil Klein Flottbek ist André Thieme nicht nur gern gesehen, sondern allseits bekannt. Viermal konnte der 51 Jahre alte Berufsreiter aus Plau am See das Deutsche Springderby, das seit 1920 ausgetragen wird, gewinnen: 2007, 2008 und 2011 jeweils mit Nacorde, im vergangenen Jahr erstmals mit Paule S, mit dem er den anspruchsvollen Parcours auch an diesem Sonntag (17. Mai, 13.50 Uhr) in Angriff nehmen wird. Warum er das Derby so sehr schätzt, worauf er in dieser Saison noch setzt und welchen Stellenwert Olympische Spiele für ihn haben, erklärt der Einzel-Europameister von 2021 im DOSB-Interview.
DOSB: André, es gibt seit Jahren nur wenige Spitzenreiter, die neben dem Fünfsterne-Hauptspringen am Samstag auch im Derby starten. Warum ist das so, und warum ist es für dich keine Option, auf das Derby zu verzichten?
André Thieme: Für mich ist dieses Springen in Deutschland eine absolute Kultveranstaltung, die auf einer Stufe mit dem CHIO in Aachen steht. Früher war der Status des Derbys noch deutlich höher, Aachen und Hamburg waren die Klassiker, die jeder Reiter gewinnen wollte, weltberühmte Events wie Wimbledon im Tennis. Der Hype ist etwas zurückgegangen, weil viele heute den modernen Pferden solche altmodischen und extravaganten Sprünge wie den Großen Wall oder Pulvermanns Grab nicht mehr zumuten wollen. Der Derby-Parcours hat sich seit mehr als 100 Jahren nicht verändert, und weil es einen solchen Parcours nicht noch einmal gibt, scheuen viele Topreiter davor zurück, ein Pferd nur für ein einmal im Jahr stattfindendes Event auszubilden. Es gibt zwar auch in Hickstead, La Baule und Falsterbo Derbys, aber die sind längst nicht so prestigeträchtig wie Hamburg. Für mich jedoch liegt genau in dieser Einzigartigkeit aber der Reiz.
Wie beschreibst du diesen Reiz? Was unterscheidet das Derby von den vielen Fünfsterne-Springen, die es jede Woche gibt?
Es ist eigentlich ein komplett eigener Sport. In den Fünfsterne-Springen geht es heute vorrangig um die Zeit, sie sind viel technischer, aber auch eintöniger, weil die Hindernisse fast ausschließlich aus Stangen bestehen. Man braucht dafür intelligentere, pfiffigere Pferde, die sehr speziell trainiert werden und es nicht gewohnt sind, mit einem Hindernis wie dem Großen Wall konfrontiert zu werden, an dem man zunächst fünf Meter Höhenunterschied überwinden und dahinter direkt ein Hindernis überspringen muss. Im Springreitsport muss man heute sehr sensibel im Umgang mit den Pferden sein, weil jedes noch so kleine Fehlverhalten auf Video festgehalten und angeprangert werden kann. Da sind sofort 100 Leute da, die den Sport in den Dreck ziehen wollen. Im Derby jedoch geht es manchmal etwas rauer zu, da kann es passieren, dass der Zügel mal etwas fester gestrafft wird. Wenn das Pferd darauf trainiert ist, ist das unproblematisch. Aber viele Topreiter, die jedes Wochenende auf einem anderen Fünfsterne-Turnier starten, haben dazu nicht die Zeit, deshalb starten nur noch wenige beim Derby. Dazu kommt, dass das Preisgeld auf der Fünfsterne-Tour deutlich höher ist, was ich sehr schade finde. Die Einzigartigkeit des Derbys würde ein höheres Preisgeld absolut rechtfertigen.
Inwiefern hat das Derby zu deiner Bekanntheit beigetragen?
Für mich hat die Faszination des Derbys gar nichts eingebüßt. In Hamburg kommen die Menschen nicht wegen des Großen Preises am Samstag, die kommen, um traditionell am Sonntag das Derby zu sehen. Und für mich hat das Derby die Möglichkeit geboten, in die Geschichtsbücher unseres Sports zu kommen. Hier viermal gewonnen zu haben, das ist etwas ganz Besonderes für mich. Die Aussicht, eine Legende wie Fritz Thiedemann einholen zu können, der fünf Siege geschafft hat, ist ein wahnsinniger Ansporn.
Rekordsieger ist Nelson Pessoa aus Brasilien, der zwischen 1962 und 1994 sieben Siege schaffte. Wie ist das möglich, was braucht es dafür?
Vor allem ein überragendes Derbypferd. Ein solches immer wieder neu aufzubauen, ist ein riesiger Aufwand, den ich aber gern auf mich nehme. Es kostet sehr viel Zeit, das Pferd für das Derby zu trainieren und auf die Besonderheiten vorzubereiten. Und dann braucht man auch das Glück, ein Pferd zu finden, das nicht nur beim Derby, sondern auch bei anderen großen Springen erfolgreich sein kann. Mit Nacorde hatte ich dieses Glück, mit ihm habe ich Große Preise gewonnen und Nationenpreise bestritten, aber er war kein Superstar bei Fünfsterne-Springen. Mit Contadur, der auf höchstem Niveau siegfähig war, konnte ich das Derby dagegen nie gewinnen.
Mit Chakaria, mit der du 2021 Einzel-Europameister geworden bist, hast du es nie versucht. Warum nicht?
Sie würde im Derby nicht funktionieren. Sie ist ein internationaler Superstar, hat jede Woche die Chance auf große Fünfsterne-Springen, da muss man das Derby nicht riskieren. Ich gehe mit ihr am Samstag im Großen Preis an den Start.
Trikottag-Umfrage zeigt breite Unterstützung für Sportvereine
Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) anlässlich des bundesweiten Trikottags am 13. Mai in Auftrag gegeben hat und für die durch die Marktforschungs-Agentur One8Y mehr als 2.000 Menschen befragt wurden.
Demnach geben 71 % der Befragten an, dass die Politik mehr in Sportvereine investieren sollte. Für den Großteil der Bevölkerung stellen die 86.000 Sportvereine im Land einen unverzichtbaren Teil des Zusammenlebens dar. So geben jeweils mehr als 80 % der Befragten an, dass Sportvereine insgesamt wichtig für unsere Gesellschaft seien und einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisteten.
KK EM Osijek: Zwei Europameister im Doppel-Interview
„Es geht im Verein um Sport, aber es geht doch auch um vieles mehr!“
Sportvereine sind zentrale Orte für Zusammenhalt, Gesundheit und Engagement. Der Bundespräsident würdigt die rund 86.000 Vereine und 29 Millionen Mitgliedschaften als „riesigen Schatz“ für das Land. Ehrenamtliche tragen maßgeblich dazu bei, dass Begegnung, Bewegung und Gemeinschaft täglich gelebt werden. Zugleich wird deutlich: Um diese Leistungen sichtbar zu machen und die Zukunft des Vereinssports zu sichern, braucht es mehr Anerkennung und bessere Rahmenbedingungen.
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„Kein Job der Welt gibt dir das, was der Sport geben kann“
Manchmal nervt es schon, da ist Grit Jurack ehrlich. „Das Training mit den Kindern ist die schöne Seite. Anstrengend wird es, wenn wir die Eltern davon überzeugen müssen, wieviel Arbeit das ist, und dass wir auf ihre Unterstützung angewiesen sind. Oft müssen wir die Eltern dahingehend erziehen, dass Werte wie Disziplin und das Einhalten von Verpflichtungen unerlässlich sind, wenn man einen Teamsport betreibt“, sagt die 48-Jährige, die beim TSV Glücksburg 09 als ehrenamtliche Handballtrainerin mehrere Jugendteams anleitet. Ihr Rezept, um ausreichend Unterstützung zu erhalten, klingt einfach, kann aber in der Umsetzung oft quälend lang dauern: „Ich höre einfach nicht auf zu fragen, bis ich jemanden finde, der es macht“, sagt sie.
Mit 306 Länderspielen ist die gebürtige Leipzigerin, die ihre Karriere 2012 wegen eines schweren Knorpelschadens in der Schulter beenden musste, bis heute Rekordnationalspielerin des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Ein Status, auf den sie sich nichts einbildet. „Kinder denken doch nicht darüber nach, wer ich bin oder was ich mal erreicht habe. Die interessiert, was wir als Nächstes im Training üben“, sagt sie. Beim TSV trainiert sie den Sohn des Bundesligacoaches Nicolej Krickau, der aktuell die Füchse Berlin betreut. „Nicolej hat meinem Team mal erzählt, dass ich früher selbst ganz anständig Handball gespielt habe, da waren alle völlig überrascht“, erzählt sie und wirkt dabei ein wenig peinlich berührt, so als hätte jemand ein Geheimnis ausgeplaudert, das sie unbedingt im Verborgenen belassen wollte.
Einstieg in den Trainerjob über Betreuung der eigenen Kinder
Dabei ist die 1,86 Meter große Linkshänderin, die zu ihrer aktiven Zeit im rechten Rückraum zu Hause war, ein perfektes Beispiel dafür, wie ehemalige Spitzenathletinnen und -athleten nach der Karriere ihre Erfahrungen und auch ihre Begeisterung an die nachfolgenden Generationen weitergeben können. „Ich wünschte, dass es viel mehr solcher Beispiele gäbe. Natürlich hat nicht jeder nach der Karriere die Zeit, ein Ehrenamt im Sport zu übernehmen. Aber ich kann es wirklich nur allen empfehlen. Auch wenn es oftmals anstrengend ist und viel Zeit in Anspruch nimmt, macht es wahnsinnig viel Spaß, mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten“, sagt sie.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Döring, der Athletiktrainer beim Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt ist, betreut Grit Jurack eine männliche C-Jugend, die sie nach dieser Saison allerdings abgibt und stattdessen mit einer F-Jugend neu startet. Ihr Einstieg in den Job als Trainerin war, wie so häufig, die Betreuung der eigenen Kinder. „Als unser älterer Sohn, der jetzt 16 Jahre alt ist und Fußball spielt, sechs Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal Training für die Kleinen angeboten“, erinnert sie sich. Wenn sie sich mit ihren Teams darüber unterhält, welche Erlebnisse die Erinnerungen an die Jugendzeit im Sport prägen, dann sind es keine Meisterschaften oder Siege, sondern die privaten Beziehungen, die dadurch entstehen, Teil einer Gemeinschaft zu sein. „Das zeigt mir immer wieder, wie wichtig es ist, dass wir diese Gemeinschaft erhalten.“
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Auftakt zur Sportmilliarde: So werden die Gelder verteilt
Am 22. April hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die geförderten Projekte des ersten Teils des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS I) bekanntgegeben. 314 Sportstätten, Schwimmbäder und Vereinsheime in zahlreichen Kommunen Deutschlands dürfen sich über eine Förderung des Bundes freuen, mit der die Sanierung oder Modernisierung ihrer Projekte mit bis zu 45 Prozent der Gesamtkosten bezuschusst werden.
Der DOSB hat die Liste der geförderten Projekte analysiert. Hier erfahrt ihr, was genau gefördert wurde, wie hoch die durchschnittliche Fördersumme ist und welches Bundesland besonders oft berücksichtigt wurde.




