Hauberg 2, 70771 Leinfelden-Echterdingen

250 Millionen Euro für Schwimmbäder: Förderprogramm zeigt enormen Sanierungsbedarf

Der DOSB begrüßt den Start des neuen Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“. Mit insgesamt 250 Millionen Euro aus dem Sondervermögen unterstützt der Bund die dringend notwendige Modernisierung kommunaler Hallen- und Freibäder in ganz Deutschland. Kommunen konnten bis zum 19. Juni ihre Interessenbekundungen beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) einreichen, vergangene Woche veröffentlichte das BBSR erste Zahlen zu den eingereichten Projekten.

WM-Qualifikation Suhl: Wer verschafft sich die beste Ausgangsposition?

Vor wenigen Tagen endete erst die Junioren-Weltmeisterschaft in Suhl, am kommenden Wochenende (3. bis 5. Juli) steht das Schießsportzentrum auf dem Friedberg erneut im Fokus. Und erneut geht es um Weltmeisterschaften.

Deutsche SchützenZeitung: Viel Glanz in der Juli-Ausgabe

Es glänzt und strahlt in der neuen Ausgabe der DSZ: Gold, Silber und Bronze - diese Medaillen wurden bei gleich mehreren Großereignissen vergeben. Über allem steht sicherlich die Weltmeisterschaft der Junioren, die in diesem Jahr in Suhl ausgetragen wurde. Den Heimvorteil konnte das DSB-Team nutzen, wenn er auch viel Druck für die Schützen um Aileen Pitschke und Luis Eichenseer bedeutete.

Waffenrecht: DSB beim „Reality Check“ der EU‑Kommission zur Feuerwaffenrichtlinie vertreten

Der Deutsche Schützenbund (DSB) war beim „Reality Check“ zur EU-Feuerwaffendirektive der Europäischen Kommission am 25. Juni 2026 in Brüssel vertreten. Die Veranstaltung der Generaldirektion Migration und Inneres (DG HOME) diente als großer, direkter Dialog zwischen EU‑Kommission und Vertretern des privaten Feuerwaffensektors – darunter insbesondere Sportschützen, Jäger und Sammler.

Mitgliedstaaten verabschieden EU-Beschränkungsvorschlag zu bleihaltiger Schrotmunition

Der Deutsche Schützenbund (DSB) begrüßt die deutlichen Verbesserungen am Beschränkungsvorschlag der EU-Kommission zu bleihaltiger Munition, die der REACH-Ausschuss der EU-Mitgliedstaaten nun angenommen hat. Gleichzeitig weist der DSB darauf hin, dass kritische Punkte für den Schießsport weiterhin bestehen und einer praxisgerechten Lösung bedürfen.

EM-Qualifikation Hamm: Rekorde, Rekorde, Rekorde

Bei tropischen Temperaturen absolvierten zahlreiche Bogenschützen aller Altersklassen am vergangenen Wochenende ihre zweite Rangliste in Hamm – für den Nachwuchs war es zudem Teil der EM-Qualifikation. Die Hitze und der Qualifikationsdruck wirkten sich jedoch nicht negativ aus – im Gegenteil: Es fielen einige Rekorde.

Die Finals Hannover: Hannover ist bereit für die Finals 2026

Bei den Finals 2026 Hannover vom 23. bis 26. Juli werden insgesamt 143 Deutsche Meistertitel in 24 Spitzensportarten vergeben. Im Vorfeld haben die Gastgeber auf einer Pressekonferenz in Hannover über den Vorbereitungsstand und Nachhaltigkeitsmaßnahmen informiert sowie Sicherheits- und Bürgerinformationen gegeben. Ebenfalls vorgestellt wurde die gemeinsame Eröffnungsfeier des Maschseefestes und der Finals, die bereits am Mittwoch, den 22. Juli, auf die beiden größten Veranstaltungen des Jahres einstimmt.

„Ich maße mir nicht an, den deutschen Golfsport prägen zu wollen“

DOSB: Matti, die BMW Open sind für dich ein echtes Heimspiel. Was setzt diese Veranstaltung bei dir an zusätzlichen Kräften frei? 

Matti Schmid: Vor heimischem Publikum zu spielen, ist immer etwas ganz Besonderes. Ich war früher schon mit meinem Vater als Zuschauer und Fan hier, jetzt hier mitzuspielen ist mega.  Und vielleicht inspiriere ich sogar die nächste Generation.

Wie viel besser kennst du die Anlage in Eichenried als andere, also welche Bedeutung hat der Heimvorteil aus sportlicher Sicht? 

Eichenried kenne ich schon ziemlich gut, weil ich hier sehr oft gespielt habe. Mit meinem Umzug nach München bin ich jetzt auch Mitglied und hoffe, dass der Heimvorteil sich auch beim Turnier bemerkbar macht – am besten wäre, wenn er mir sogar zum Sieg verhilft.

Der DOSB will sich um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland bewerben. Welche Auswirkungen erhoffst du dir persönlich davon, wenn die Spiele in der Heimat stattfänden?

Es macht einen schon stolz, sein Land bei Olympia vertreten zu dürfen. Wenn das auch noch in meinem Heimatland stattfinden würde, wäre das noch mehr Motivation für mich. Ich wäre allerdings schon 38, wenn die Spiele frühestens 2036 nach Deutschland kämen. Aber Golf kann man, wenn man gesund bleibt, lange auf hohem Niveau spielen – wie gesagt, die Motivation wäre auf jeden Fall riesig, teilnehmen zu können.

Dein Sport ist erst seit 2016 wieder im olympischen Programm. Welche Rolle haben die Spiele für dich gespielt, als du Teenager warst, und welche spielen sie nun, da du Teilnehmer sein kannst? 

Olympische Spiele sind immer ein Ereignis, und ich habe unvergessliche Erinnerungen an Paris vor zwei Jahren. Ich habe damals das Turnier im ersten Flight eröffnet, mit dem Franzosen Victor Perez. Die Kulisse und die Fans am ersten Abschlag – einfach nur Gänsehaut. Ich habe mir dann nach dem Turnier auch noch andere Wettbewerbe angeschaut. Es waren einfach tolle Spiele in Paris.

Auf dem Golf Summit des deutschen Verbands Anfang Juni wurde das Thema einer deutschen Ausrichtung des Ryder Cups erneut diskutiert. Welche Bedeutung hätte ein solches Event in Deutschland für den Golfsport hierzulande und für dich persönlich? 

Ganz klar: Für mich persönlich ist es ein Traum mitzuspielen, und ich wäre unglaublich motiviert, für das europäische Team starten zu dürfen. Gleichzeitig würde es in Deutschland hoffentlich dazu führen, den Golfsport noch breiter ins öffentliche Interesse zu bringen. Der Ryder Cup ist ein weltweites Megaevent.

Als Sohn golfbegeisterter Eltern hast du früh eine besondere Förderung erhalten. Welche Unterstützung war noch wichtig auf deinem Weg in den Profisport? 

Neben Eltern und Familie ist es ganz klar die Unterstützung meiner Trainer, die an mich geglaubt und unterstützt haben.

Welche Rolle hat dein Studium in den USA und die damit verbundenen Trainingsmöglichkeiten für deine Karriere gespielt? 

Mein Studium in den USA war für meine Entwicklung rückblickend der richtige Schritt. Die täglichen Trainingsmöglichkeiten, die Coaches und die vielen Wettkämpfe haben mich auf den Schritt Richtung Profikarriere gut vorbereitet.

Wenn du Meilensteine deiner Entwicklung aufzählen solltest, welche wären das? 

Ganz klar die beiden Siege bei den Europameisterschaften als Amateur, aber die Silver Medal bei der Open Championship 2021 als bester Amateur war natürlich ein echtes Highlight. Neben dem damaligen Sieger Colin Morikawa auf dem Grün zu stehen, war unglaublich. Dann sicher auch 2021 der Titel „Rookie of the Year“ der DPWT und die relativ schnelle Spielberechtigung für die PGA Tour. Dann der  2. Platz bei der Charles Schwab Challenge, der mich maßgeblich in mein erstes FedEx Play-off gebracht hat. Und ganz sicher der 4. Platz beim PGA Championship – das hat mir gezeigt, dass ich ganz oben mitspielen kann. Damit habe ich mir auch einen Startplatz bei der Masters im nächsten Jahr gesichert. Kein schlechter Extrabonus, der sicher ein weiterer Meilenstein werden wird.

DSJ: Claus Hornung für fünf Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement geehrt

Die Junioren‑Weltmeisterschaft und die Veranstaltung „Faszination Lichtschießen“ in Suhl haben eindrucksvoll gezeigt, wie viel Herzblut und Zusammenhalt im Schießsport stecken. Mehr als 200 Ehrenamtliche waren während der Wettkampftage im Einsatz und sorgten mit unermüdlichem Engagement dafür, dass die Veranstaltung mit über 800 Teilnehmenden, 1500 Starts, 66 Nationen und 70 Verbänden zu einem besonderen Erlebnis wurde.

Para Bogen World Series Nove Mesto: Drei deutsche Schützinnen dabei

Mit Flora Kliem, Jule Lammers und Sandra Maschkewitz nehmen drei deutsche Bogenschützinnen an der Para World Series im tschechischen Nove Mesto (30. Juni bis 4. Juli) teil.

„Rugby ist in Deutschland noch lange nicht ausgereizt“

DOSB: Felix, bei deiner Vorstellung Ende April lobte euer Verbandsvorstand Werner Cromm deine mehrjährige Führungstätigkeit im Sportmanagement, deine internationale Erfahrung und dein tiefes Verständnis für die Anforderungen im Leistungssport. Woher nimmt ein 29-Jähriger all diese Fähigkeiten?

Felix Lammers: Ich habe in meiner Karriere schon früh einen dualen Ansatz verfolgt. Als 19-Jähriger bin ich an die Rugby-Akademie nach Heidelberg gegangen, habe dies aber mit einem Studium des BWL-Dienstleistungsmanagements mit Vertiefung in Sportmanagement verbunden. Während des Studiums habe ich angefangen, beim Golf Club St. Leon-Rot zu arbeiten, in einer Phase, als dort das Nachwuchsleistungszentrum samt Internat aufgebaut wurde. Ich war dort zunächst als Assistent der Geschäftsführung, dann als Leistungssportkoordinator und später in der Leitung tätig. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Gleichzeitig habe ich meine sportliche Karriere verfolgt, war vor meinem Studium ein Jahr in Neuseeland, habe die deutsche Nationalmannschaft nun viele Jahre auf dem Platz repräsentieren dürfen und auch dadurch unheimlich viel gelernt. Als dann nach meinem Karriereende die Chance kam, als Sportdirektor für die 7er-Variante hauptberuflich im Rugby tätig zu sein, bin ich meinem Herzen gefolgt und in meine Kernsportart zurückgekehrt.  

Warum hast du mit 29 entschieden, deine Karriere zu beenden und die Funktionärsschiene zu fahren?

Ich habe schon länger gewusst, dass ich mich nun mehr auf meine berufliche Karriere konzentrieren möchte. Ich brauche einen klaren Fokus, denn es ist eine große Aufgabe, das deutsche Rugby in die Zukunft zu führen. Im März habe ich mir in meinem letzten Länderspiel eine Verletzung zugezogen, bin aber zum Bundesligafinale zum Glück fit geworden, so dass ich dieses zum Abschied von meinem Verein SC Neuenheim noch absolvieren durfte. Nun habe ich meine sportliche Karriere abgeschlossen und starte mit viel Elan in die neue Aufgabe.

Du hast zur Amtsübernahme eine interne Analyse der Ressourcen und Prozesse angekündigt. Welche Ergebnisse dieser Analyse kannst du extern teilen?

Ich bin ja offiziell gerade einen Monat im Amt, die Analyse ist deshalb noch nicht abgeschlossen. Als ein Hauptthema haben wir allerdings identifiziert, dass wir mehr externe Unterstützung für unser System benötigen. Wir haben mit dem DOSB, dem Bundeskanzleramt, der Bundeswehr und unseren aktuellen Sponsoren starke Partner, aber wir benötigen neue Einnahmequellen, um unsere Ziele erreichen zu können. Wir haben ein Produkt, in das es sich zu investieren lohnt, und damit können wir selbstbewusst nach außen auftreten. Das muss ein prioritäres Thema sein, das es bislang nicht war.

Rugby ist weltweit sehr beliebt, in Deutschland wächst die Zahl der Fans dank der Übertragungen von internationalen Topturnieren durch ProSieben Sat.1 ebenfalls. Warum aber ist der Sport hierzulande weiterhin so stark in der Nische, während er in vergleichbaren Nationen boomt?

Das liegt in der Historie begründet. Vergleichbare Nationen wie Frankreich, England, Irland oder Italien haben eine deutlich stärkere Bindung an Rugby, was sicherlich auch daran liegt, dass sie darin entsprechende Erfolge feiern konnten. In Deutschland sind andere Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey deutlich beliebter, weil sie mehr herausragende Erfolge und Athleten vorweisen können, vom Fußball natürlich ganz zu schweigen. Ich bin aber überzeugt davon, dass Rugby in Deutschland noch lange nicht ausgereizt ist. Wir haben ein einzigartiges Wertesystem und geben jedem Menschen ungeachtet seiner körperlichen Voraussetzungen eine Perspektive. Das müssen wir deutlicher herausstreichen, um mehr Menschen vom Rugby zu überzeugen und so stärker aufs Radar zu kommen.

Wie könnte Rugby in Deutschland einen ähnlichen Hype erleben, wie ihn der American Football dank der NFL erlebt?

Die beiden Sportarten werden häufig verglichen, weil sie sich als Kollisionssportarten in ihrer Ausprägung ähneln. Tatsächlich hinkt der Vergleich aber, weil die NFL ein Ausnahmestanding hat, das weltweit seinesgleichen sucht. Die Impulse kommen zu großen Teilen aus den USA in den deutschen Markt. Die Übertragungen von RTL treffen aber den Zeitgeist, und ich bin froh darüber, dass unser TV-Partner ProSieben so viele internationale Topevents überträgt, was auch im deutschen Sportpublikum Anklang findet. Wir können uns das, was die NFL mit ihrem Produkt in Deutschland macht, nicht komplett abschauen, aber Teile davon übernehmen. Wir wollen aber unseren Sport an der Wurzel in Deutschland stärken, unsere Erfolge besser herausarbeiten und unseren Platz in der deutschen Sportlandschaft erkämpfen.

Du hast es angedeutet: Rugby gilt als Musterbeispiel für Fair Play, aber auch als sehr gesundheitsgefährdender Kollisionssport. Wie gelingt es euch, diese beiden Pole zusammenzuführen, um mehr Menschen für Rugby zu begeistern?

Das Wertegerüst im Rugby ist ein Alleinstellungsmerkmal, das nach Aufmerksamkeit schreit. Jeder, der zum ersten Mal ein Rugbyspiel sieht, ist begeistert davon, wie fair der Umgang zwischen den Spielern und wie respektvoll die Behandlung der Schiedsrichter ist. Da können wir ansetzen. Auch Kontaktsport ist in Deutschland grundsätzlich sehr beliebt. Die Verletzungsgefahr bei einem so harten Sport wie Rugby ist nicht wegzudiskutieren, aber wir gehen damit sehr offen um und treffen viele Maßnahmen, um sie zu minimieren. Gerade in puncto Kopfverletzungen sind wir sehr fortschrittlich. Es gibt beispielsweise einen Zahnschutz, der die Intensität von Kopfstößen misst und warnt, wenn die Werte in den kritischen Bereich kommen. Auch beim Thema Tackles gegen empfindliche Körperstellen handeln wir proaktiv, und das ist wichtig, damit Rugby so sicher wie möglich gespielt werden kann. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Verletzungsgefahr überall im Sport ein Thema ist.

Du blickst gern über den deutschen Tellerrand hinaus. Wie fließt deine Auslandserfahrung in dein Tun ein, welche internationalen Einflüsse sind für deine Arbeit besonders prägend?

Mein Auslandsjahr in Neuseeland hat mich in Bezug auf meine Leidenschaft für Rugby stark geprägt. Ich war ein klassisches Fußballkind, bin erst mit 16 zum Rugby gekommen. Meine Begeisterung ist in Neuseeland, wo unser Sport ein Kulturgut ist, erst richtig entflammt. Natürlich können wir uns weltweit einiges abschauen, aus Neuseeland zum Beispiel das Wettkampfsystem, aus Frankreich das Ausbildungssystem mit Fokus auf Akademien. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir in Deutschland nicht immer das Rad komplett neu erfinden müssen. Keins der Systeme, die es in anderen Ländern gibt, sollten wir komplett kopieren. Wir müssen unser eigenes Bild zeichnen. Dazu gehört, dass man immer auf dem Laufenden bleibt, was in der Welt so passiert, aber auch die eigenen Stärken im Blick behält.

Sprechen wir über das anstehende Großereignis, die 7er-EM der Frauen und Männer in Hamburg am Wochenende. Welche Bedeutung hat ein solches Turnier für den Rugbysport in Deutschland?

Es ist immens wichtig für uns, es ist eines unserer Leuchtturmprojekte. 7er-Rugby ist weltweit bedeutsam, das heißt aber, dass unsere Teams auch global unterwegs sind und wir nicht viele Plattformen im eigenen Land haben, um uns zu präsentieren. In Hamburg, wo wir mittlerweile im vierten Jahr mit dem EM-Turnier zu Gast sind, können wir mit viel Nahbarkeit das Netz mit Partnern und Fans weiterknüpfen, aber auch Werbung für das Format und unseren Sport im Allgemeinen machen. Und nicht zuletzt ist es für unsere Spielerinnen und Spieler natürlich ein Traum und etwas sehr Besonderes, vor ganz vielen Freunden und Familienmitgliedern spielen zu können. Diese Chance haben sie auch nur selten.

Klaus Steinbach: Ein Leben für den Sport

Es braucht nur wenige Minuten des Gesprächs, um zu verstehen, welchen Wert dieser Mann in das Gremium der Persönlichen Mitglieder einbringen kann. Die Einstiegsfrage war gewesen, was ihn im Alter von 72 Jahren noch immer motiviere, sich unermüdlich für den deutschen Sport zu engagieren. Aber schnell wird klar, dass Klaus Steinbach Fragen maximal als Stichwortgabe ansieht. In einer Gedankenschnelle, die viele 20-Jährige überfordern würde, ist er in die Tiefen und Untiefen der deutschen Sportpolitik eingetaucht. Launig und spannend erzählt er von den Bewerbungsprozessen um Olympische Spiele, die er in seinen Ämtern im Nationalen Olympischen Komitee (NOK) mitgestaltet hat, von seinen Erfolgen als aktiver Leistungssportler und was diese ihm für das Berufsleben mitgegeben haben. Und mit jeder weiteren Minute schärft sich das Bild eines Mannes, der mitgestalten möchte, weil er so vieles zu geben hat. Aber ohne sich dafür anbiedern zu müssen.

„Mir wird ganz bestimmt nicht langweilig“, sagt er mit Blick auf seine Posten im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die ihn 2018 in die Hall of Fame des deutschen Sports aufnahm, und als Vorstand der Sportstiftung des Saarlands, wo er seit vielen Jahren in Lebach lebt. Dass er die Zusammenarbeit im Gremium in der im Dezember ablaufenden Legislaturperiode als „sehr wenig und sehr sporadisch“ empfunden hat, trifft die Beobachtung, die auch andere Persönliche Mitglieder geschildert haben. Zumindest in seinem Fall liege das daran, dass er sich nicht aufdrängen wolle. „Ich glaube, ein Persönliches Mitglied erwartet, dass es gefragt wird, wenn es sich konkret einbringen soll. Es entspricht nicht meinem Stil, von außen als Besserwisser hineinzugrätschen. Aber wenn ich gefragt werde, bin ich immer bereit, meinen Rat dort zu geben, wo es einen Sinn und Mehrwert ergibt“, sagt er.

64 deutsche und acht Weltrekorde schwamm Klaus Steinbach

Zweifelsohne gäbe es ausreichend Anlässe, Klaus Steinbach zu kontaktieren, schließlich kann der aus Kleve am Niederrhein stammende Sportenthusiast aus drei unterschiedlichen Perspektiven auf das aktuelle Geschehen schauen. Die erste Perspektive ist die des ehemaligen Leistungssportlers, der 1972 bei den Olympischen Heimspielen in München Silber mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel gewann. 1975 kam über dieselbe Distanz WM-Gold dazu. Die Sprintstrecken im Kraul waren seine Paradedisziplin, aber auch in Rückenlage war er oft nicht zu bezwingen. Insgesamt fünf EM-Titel, 25 nationale Meistertitel, 64 deutsche, neun Europa- und acht Weltrekorde hatte Steinbach, der als erster Mensch die 100 Meter Freistil auf einer 25-Meter-Bahn unter 50 Sekunden absolvierte, bis zu seinem vom Boykott der Sommerspiele 1980 in Moskau beeinträchtigten Karriereende angehäuft.

„Ich bin als 15-Jähriger an das erste deutsche Sportinternat in Saarbrücken, die DSV-Schule „Max Ritter“, gegangen und habe es absolut genossen, alles für meinen Sport investieren zu können“, sagt er. Aus dieser Zeit habe er mitgenommen, wie wichtig es ist, die Athletinnen und Athleten im Sportsystem an die erste Stelle zu setzen. „Sie sind die goldene Spitze der Pyramide“, sagt er. Aus diesem Grund habe er sich auch so intensiv im Gutachterausschuss und im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe eingebracht. „Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns intensiv darum kümmern, dass sich unsere Besten auf ihre sportliche und berufliche Karriere gleichermaßen voll konzentrieren können“, sagt er.

Dreimal war er Chef de Mission bei Olympischen Spielen

Der Weg in die Funktionärslaufbahn, die die zweite Perspektive darstellt, wurde Klaus Steinbach im Jahr 1981, kurz nach dem Ende der aktiven Karriere, geebnet. Auf Vorschlag von Willi Daume, dem mächtigsten Sportfunktionär in der deutschen Nachkriegsgeschichte, wurde ihm in Paris der Fair-Play-Preis der Unesco verliehen, aus den Händen der französischen Tennislegende Jean Borotra. „Ich wurde dadurch Persönliches Mitglied im NOK und bin damit wohl das dienstälteste Mitglied dieses Gremiums“, sagt er. Bei den Sommerspielen 2000 und 2004 und den Winterspielen 2006 führte Klaus Steinbach die deutsche Mannschaft als Chef de Mission an; 2002 war er bis zur Fusion von NOK und Deutschem Sportbund (DSB) zum DOSB im Mai 2006 NOK-Präsident.

„Das waren wirklich hochspannende Zeiten. 2003 war ich Mitglied der Evaluierungskommission für unsere Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele 2012. Wir hatten zwar Hamburg an erste Position gesetzt, aber dann wurde Leipzig gewählt. Deren Konzept enthielt viele Elemente, die heute gute Erfolgsaussichten hätten, wie die Nutzung bestehender Sportstätten und alternative Unterbringungsmöglichkeiten für die olympische Familie, aber auch die große Kompaktheit. Wir waren damit allerdings der Zeit voraus, im IOC hatte Leipzig wegen seiner geringen Größe aber leider wenig Chancen. Das tat damals sehr weh, aber man lernt daraus“, erinnert er sich.

Maccabiah in Kriegszeiten: Resilienz ist die wichtigste Fähigkeit

Mit wem man auch spricht dieser Tage über die anstehende Maccabiah, die Weltspiele für jüdische Sportler*innen, ein Wort fällt immer: Resilienz. Diese Fähigkeit, Krisen, Schicksalsschläge oder extreme Belastungen zu bewältigen und ohne dauerhafte Beeinträchtigung in das eigene seelische Gleichgewicht zurückzufinden, scheint in diesem besonderen Jahr der Austragung unerlässlich für alle Teilnehmenden zu sein. Die 22. Auflage, die wegen der schwierigen politischen Gesamtlage vom vergangenen auf dieses Jahr verschoben werden musste, steht weiterhin unter dem Motto „More than ever“, was das Grundverständnis dieses Großevents ausdrücken soll. Jetzt erst recht, und auch unter dem Eindruck des schwelenden Konflikts mit dem Iran, sollen Jüdinnen und Juden von diesem Dienstag an bis zum 14. Juli zusammenkommen, um bei größtmöglicher Sicherheit friedlich in den sportlichen Wettstreit zu treten.

In normalen Jahren sind es rund 10.000 Athlet*innen, die an der seit 1932 im Vierjahresturnus ausgetragenen Maccabiah teilnehmen. In diesem Jahr haben sich mehr als 5.000 Aktive aus 66 Nationen angekündigt, um in 32 Sportarten um Medaillen zu kämpfen. Makkabi Deutschland, nationaler Dachverband mit mehr als 8.000 Mitgliedern in 40 bundesweiten Ortsvereinen und Mitgliedsorganisation des DOSB, reist am 30. Juni mit einer aus 170 Personen bestehenden Delegation aus Duisburg, wo über dieses Wochenende das Pre-Camp stattfindet, nach Tel Aviv. Rund 120 davon sind Athlet*innen. Damit stellt Deutschland die größte Delegation Europas, was Alfred Goldenberg ganz besonders freut. „Das ist ein tolles Zeichen, das wir damit setzen können“, sagt der 46 Jahre alte Berliner, der im Präsidium von Makkabi Deutschland für den Sport zuständig ist und als Head of Delegation fungiert.

Der wichtigste Unterschied zu 2025, als die Veranstaltung wenige Wochen vor dem geplanten Start verschoben werden musste, sei die veränderte Sicherheitslage. „Der israelische Luftraum ist geöffnet, es gibt genug Airlines, die das Land anfliegen, und das ist für die Logistik fundamental wichtig“, sagt Goldenberg. Der Gaza-Krieg sei faktisch beendet, der Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 ein weiteres Jahr her, die letzten Geiseln sind freigelassen worden. Dazu müsse man die grundsätzliche Einstellung der Israelis kennen. „Die Menschen dort sind es gewohnt, im Kriegszustand zu leben. Das Land war seit seiner Gründung 1948 nie befriedet, das Leben musste aber trotzdem immer weitergehen.  Also hat die Bevölkerung gelernt, damit umzugehen“, sagt er.

Eine historische Entscheidung – und was sie für Athlet*innen bedeutet

Für alle Mitglieder der weltweiten Sportfamilie, die Überraschungen lieben, dürfte der vergangene Mittwoch ein spannender Tag gewesen sein. Ich glaube, dass nicht viele mit dem gerechnet hatten, was Pau Gasol zum Ende der außerordentlichen Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne verkünden konnte. Der frühere NBA-Spieler und Superstar im Basketball, der unserer IOC-Athletenkommission vorsitzt, stellte das neue Vergütungsprogramm „Fit for the Future Olympian Grant“ vor. Und ich gebe gern zu, dass mich dieser Moment wirklich sehr bewegt hat. Wenn eine Forderung, die seit vielen Jahren seitens der Athletinnen und Athleten weltweit an das IOC herangetragen wurde, zur Realität wird, ist das schon ein Anlass, um einmal kurz innezuhalten und sich seiner historischen Bedeutung zu vergewissern.

Warum ich die Historie bemühe? Weil es das erste Mal ist, dass das IOC als Dachorganisation des Weltsports eine direkte Zahlung an diejenigen veranlasst, die es stets als den Mittelpunkt seines Wirkens bezeichnet. In vielen Gesprächen haben olympische Sportlerinnen und Sportler in den vergangenen Jahren den dringenden Wunsch an ihre gewählte Vertretung adressiert, an den durch ihr Zutun maßgeblich beeinflussten Einnahmen partizipieren zu können. Die Antwort, die wir genauso oft gegeben haben, dass das IOC rund 90 Prozent seiner Einnahmen wieder in den Sport investiert, damit möglichst viele am Erfolg der Olympischen Spiele teilhaben können, hat selten überzeugt. Diese Teilhabe als Cash auf dem eigenen Konto zu sehen – das war das wichtigste Anliegen für viele Athletinnen und Athleten weltweit.

Nun wird Cash fließen. „Fit for the Future Olympian Grant“ ermöglicht es allen Teilnehmenden an Olympischen Spielen, sechs Monate nach ihrer Teilnahme einen Zuschuss von 10.000 US-Dollar zu beantragen. Ausgezahlt wird er an alle, die sich keines Verstoßes gegen den Wertekodex schuldig gemacht haben. Mit rund 14.000 Antragsberechtigten pro Olympiade kalkuliert das IOC, das dafür 140 Millionen Dollar aus Rücklagen der Olympischen Stiftung verwendet. Die Stiftung wurde vom IOC mit der Unterstützung der Aktivitäten der Olympischen Bewegung betraut.

DM Lichtschießen: Starke Partnerschaften und Limitzahlen

Im Rahmen der Junioren Weltmeisterschaft 2026 in Suhl gingen am Donnerstag (25.06.2026) die letzten Sportler an den Start. Gerne unterstützen wir als Deutsche Schützenjugend diese Veranstaltung des Leistungssports im Jugendbereich, doch worauf es auch ankommt, ist die Breite. Eine der wichtigsten Firmen dabei ist die DISAG GmbH & Co. KG, die seit vielen Jahren Partner der DSJ sind. Der Hersteller von elektronischen Schießanlagen und Auswerteelektronik bietet mit den Produkten der Linie RedDot eine optimale Möglichkeit, Kinder an den Schießsport heranzuführen und dabei die Gegebenheiten der noch nicht voll entwickelten Körper zu respektieren.

Auf DOSB-Mission durch Afrika: Das abenteuerliche Berufsleben des Tobias Antoni

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Dem Philosophen und Theologen Augustinus von Hippo, der im 4. Jahrhundert lehrte, wird dieses Zitat zugeschrieben, und wenn man es für bare Münze nimmt, dann ist Tobias Antoni ein Mensch, der ziemlich schnell liest. Die Liste der Länder, die der 31-Jährige in den vergangenen zwei Jahren bereist hat, kann sich jedenfalls sehen lassen. 2024 war er in Uganda, Kenia, Tansania und Burundi, 2025 kam Namibia dazu, in diesem Jahr waren es der Senegal, Südafrika und Simbabwe. Dennoch ist Tobias nicht das, was man klassisch unter einem Weltenbummler verstehen würde, denn die Tripps ins östliche und südliche Afrika hat er nicht in seinem Urlaub absolviert, sondern auf dienstlicher Mission für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Im Jahr 2022 war der Kölner, der an der Deutschen Sporthochschule in Köln ein Masterstudium in „International Sport Development and Politics“ gemacht hat, vom Dachverband Special Olympics Deutschland (SOD) zum DOSB gewechselt, um im Ressort Internationales unter der Leitung von Katrin Grafarend als Referent für Internationale Beziehungen unter anderem das Projekt „Inclusion through Sports“ zu übernehmen. Dessen wichtigstes Ziel ist es, die globale Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung durch gemeinsames Sporttreiben mit Nicht-Behinderten voranzutreiben.

Internationales Engagement wird von großen Sportnationen erwartet

Der DOSB, zu dessen Mitgliedsorganisationen SOD zählt, hat die Federführung dieses Projekts vor vier Jahren übernommen, um über sein starkes Netzwerk mit anderen Nationalen Olympischen Komitees den inklusiven Sport in den globalen Sportstrukturen zu etablieren. Sich in Auslandsprojekten dieser Art zu engagieren, ist für den Dachverband des deutschen Sports ein sehr wichtiges Themenfeld. Solidarität gilt als enorm relevanter Wert in der olympischen Bewegung. Internationales Engagement wird von großen Sportnationen, zu denen Deutschland zweifelsohne zählt, erwartet. Indem der DOSB international Verantwortung für Hilfsprojekte übernimmt, kann er wertvolle Beiträge zur weltweiten Sportentwicklung leisten.

Tobias Antoni hatte, als er zum DOSB kam, keine außergewöhnliche Verbindung zu Afrika. Zwar stammt seine Freundin aus Nigeria, und nach dem Abitur hatte er über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ als assistierender Sportlehrer ein Jahr in Ghana gearbeitet, was ihn stark prägte. „Aber dass sich mein beruflicher Schwerpunkt in den vergangenen Jahren auf Afrika konzentrieren würde, war Zufall“, sagt er. Was er mitbrachte, war die notwendige Portion Abenteuerlust, die er angesichts seiner Erfahrungen für unerlässlich hält. „Wenn man grundsätzlich ein vorsichtiger Mensch ist, dann ist dieser Job sicherlich nicht das Richtige“, sagt er und grinst breit. Die Fähigkeit zum Improvisieren und der Langmut, sich von Widrigkeiten aller Art nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, seien wichtige Faktoren, um Projektarbeit dieser Ausprägung mit Erfolg und Freude zu verrichten.

Tobias setzt intensiv auf Einbindung lokalen Personals

Seine Hauptaufgabe vor Ort beschreibt Tobias als die des Projektmanagers. In Gruppen von 20 bis zu 50 Personen – im Schnitt sind es 40 – bietet er vier Tage dauernde Workshops an, in denen Menschen aus der Region zu Trainer*innen im Inklusionssport weitergebildet werden. Die direkte Zielgruppe sind Lehrer*innen, die mit rund 80 Prozent die deutlich größte Gruppe stellen, aber auch Trainer*innen und Verbandsvertreter*innen. Zum Abschluss eines jeden Workshops müssen die Prüflinge Mini-Events veranstalten, bei denen vorrangig Kinder und Jugendliche inklusiv miteinander Sport treiben. „Unser wichtigstes Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Sportarten und Lebensbereichen untereinander zu vernetzen, um ein regionales Netzwerk für den Inklusionssport zu knüpfen“, sagt Tobias. Seit dem Projektstart 2023 sind 650 Menschen zu entsprechenden Trainer*innen ausgebildet worden.

Dabei setzt Tobias intensiv auf die Einbindung lokalen Personals, das aus den jeweiligen NOKs oder von Special Olympics kommt. „Ich bringe viel Fachkompetenz mit, spreche aber nicht gut genug Französisch, um damit Kurse alleine leiten zu können. Und Englisch reicht oftmals auch nicht aus, weil insbesondere in ländlichen Regionen die Menschen, die wir schulen, oft lokale Sprachen sprechen. Da ist es unverzichtbar, Mitarbeitende zu haben, die die Sprache sprechen und sich mit den lokalen Gepflogenheiten auskennen“, sagt er. Zwar finden die Workshops oft in den Hauptstädten statt, aber um eine flächendeckende Verbreitung zu garantieren, gehen sie auch auf Tour durch das Land.

„Wir sind in der Lage, dem IOC ein sehr gutes Angebot zu machen“

DOSB: Herr Mronz, wie fällt das Fazit zur 146.-Session aus?

Michael Mronz: Die Session hat in unterschiedlichen Bereichen wichtige Weichen für die Zukunft der Olympischen Bewegung gestellt. Es war eine große Einigkeit innerhalb der olympischen Familie zu spüren. Das von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry initiierte Programm „Fit for the Future“ entfaltet bereits nach einem Jahr ihrer Amtszeit seine erste Wirkung. Die wichtigste Entscheidung war die Stärkung der politischen Neutralität des Sports. Es wurde deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung die Autonomie des Sports hat. Der Sport ist ein eigenständiger, positiver Akteur mit Vorbildcharakter, der nicht als Ausputzer politischer Entwicklungen missbraucht werden darf. Aber auch die direkte finanzielle Unterstützung für alle Athletinnen und Athleten, die an den Spielen teilnehmen, ist ein wichtiger Schritt. Aus nationaler Sicht waren zudem die Entscheidungen, die den künftigen Bewerbungsprozess um Olympische Spiele betreffen, von besonderem Interesse. 

Was sind mit Blick auf die deutsche Olympiabewerbung die wichtigsten Änderungen?

Die Änderungen sind eine logische Weiterentwicklung der erfolgreichen Reformen, die unter dem heutigen IOC-Ehrenpräsidenten Thomas Bach umgesetzt wurden. Das IOC reagiert damit auf unterschiedliche Forderungen, die im Konsultationsprozess des vergangenen Jahres artikuliert wurden. Die IOC-Member wollen wieder stärker in den Auswahlprozess involviert werden, die Bewerber möglichst viel Planbarkeit, zeitliche Vorgaben und Transparenz. Ich persönlich finde, dass der neue Prozess die Grundlage dafür bildet, dass viele dieser Wünsche erfüllt werden können. Eine wichtige Neuerung ist dabei die Einführung einer zusätzlichen Dialogstufe. Auf den „Continuous Dialogue“ folgt jetzt der „Strategic Dialogue“. Diese strategische Dialogphase soll im Rahmen der Vergabe der Spiele 2036 erstmals im März 2027 beginnen und den Austausch zwischen dem IOC und interessierten Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. Ende 2028 soll – so die vorgestellten Planungen – dann der „Targeted Dialogue“ mit einem oder mehreren Bewerbern eröffnet werden.

Bedeutet die Tatsache, dass ein „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet werden kann, automatisch, dass es bei der IOC-Session zu einer Kampfabstimmung kommen wird?

Nein, nicht zwingend. Auch bislang war es möglich, dass das IOC den „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet. Und auch wenn sich mehrere Bewerber in dieser Dialogstufe befinden sollten, ist es möglich, dass am Ende der Session nur ein Kandidat vorgeschlagen wird.

Junioren-WM Suhl: Hitze, Weltrekorde und der Heimvorteil

Am 17. Juni wurde die Junioren-Weltmeisterschaft in Suhl auf dem Marktplatz feierlich eröffnet, am 25. Juni fiel um 15.24 Uhr der letzte Wettkampfschuss. In dieser Zeit herrschte eine große Hitze, gab es viele Emotionen, 39 Weltmeister wurden gekürt und die ein oder andere Träne getrocknet. Eine WM-Bilanz.

Junioren-WM Suhl: Starker Abschluss mit Platz sechs

Fast wäre am letzten Tag der Junioren-WM in Suhl noch ein Finale und eine mögliche Medaille für das DSB-Team herausgesprungen, doch das Trap-Duo Karla Riehmann & Pius Rosenecker scheiterte im Mixed-Wettbewerb im Shootoff am Finaleingang und belegte den hervorragenden sechsten Platz. Mit diesem Wettbewerb endete nach acht Wettkampftagen die WM auf dem Friedberg.

IOC-Generalversammlung beschließt wichtige Neuerungen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf seiner außerordentlichen Generalversammlung am Hauptsitz in Lausanne (Schweiz) am Mittwoch wichtige Neuerungen im Rahmen des „Fit for the Future“-Prozesses vorgestellt, die auch die Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 betreffen. Der französische Ex-Kanute Tony Estanguet, Chef des Organisationskomitees der Spiele von Paris 2024, bestätigte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Olympic Games Delivery“, dass die Spiele 2036 im Jahr 2029 vergeben werden sollen. „Unsere Partner und Stakeholder hatten in vielen Gesprächen auf eine klare Zeitschiene gedrängt, die wir nun garantieren wollen“, sagte er.

Kirsty Coventry, Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe und seit einem Jahr als Nachfolgerin von Thomas Bach als IOC-Präsidentin im Amt, betonte in ihrer Eröffnungsrede, das IOC habe die Verantwortung, sich auf die Veränderungen der Gesellschaft einzustellen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. „Der Moment, in dem man aufhört, sich weiterzuentwickeln, ist der Moment, in dem man zurückfällt. Der Fit-for-the-Future-Prozess ist unser Werkzeug, um die nötigen Weiterentwicklungen voranzutreiben“, sagte die 42-Jährige.

Um künftigen Bewerbern mehr Zeit für eine Weiterentwicklung und mehr Unterstützung durch das IOC zu ermöglichen, wird für anstehende Vergaben eine neue Ebene zwischen dem Continuous und dem Targeted Dialogue eingeführt. Im Continuous Dialogue, in dem sich der DOSB seit Ende November 2025 mit dem IOC befindet, finden regelmäßige Gespräche mit interessierten Kandidaten statt, die dem Austausch und der Optimierung der Konzepte dienen. Diesen soll im März 2027 der Strategic Dialogue ablösen, der Ende 2028 in den Targeted Dialogue übergeht, den das IOC eröffnet, wenn es mit einem oder mehreren Bewerbern ein Konzept für ein konkretes Jahr entwickeln möchte.

DOSB-Präsident Weikert begrüßt die “klare Zeitschiene”

„Damit geben wir potenziellen Gastgebern mehr Unterstützung und einen klaren Zeitplan und den IOC-Mitgliedern die von ihnen eingeforderte bessere Möglichkeit zur Mitsprache“, sagte die frühere kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, die im IOC die Future-Host-Kommission leitet. DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte: „Wir begrüßen die Einführung einer klaren Zeitschiene für die Vergabe Olympischer Spiele, weil diese allen Kandidaten eine Orientierung für den weiteren Bewerbungsprozess geben wird.“

Bezüglich der Auswahl der Sportarten bei Olympischen Spielen wird mit Beginn der Sommerspiele in Brisbane (Australien) 2032 ein System eingeführt, das Geschlechtergleichheit, globale Anziehungskraft, Nachhaltigkeit und Kostenersparnis in den Vordergrund rückt. Damit können Sportarten in ihrer Gesamtheit, aber auch nur einzelne Disziplinen nachvollziehbarer und transparenter durch zukunftsträchtigere Kandidaten ersetzt werden. Fachverbände, deren Sportarten aus dem Programm gestrichen werden, werden künftig für einen weiteren olympischen Zyklus gefördert und können sich in der Folge um Wiederaufnahme bewerben.

Junioren-WM Suhl: Silber für Lotter & Ascher im Luftgewehr Mixed

Am vorletzten Tag der Junioren-WM in Suhl geizten die deutschen Athleten nicht mit hervorragenden Leistungen: Annabelle Lotter & Benedikt Ascher sorgten mit Silber im Luftgewehr Mixed für die dritte deutsche WM-Medaille. Zudem konnten die Trap-Schützen Pius Rosenecker als Neunter und Karla Riehmann als 14. sowie das Luftgewehr-Duo Theresa Schnell & Luis Eichenseer als ebenfalls Spitzenergebnisse und -Platzierungen landen.

Eine Bewegung, die verbindet

Es ist kurz nach neun Uhr, die Sonne liegt schon warm über der Domstadt, als Moderator Kai Gemeinder das Mikrofon hebt und zehn Schulklassen der Stufen drei bis sechs zum Olympic Day begrüßt. Vor ihm der Rhein, hinter ihm das Deutsche Sport & Olympia Museum (DSOM) – und für die nächsten vier Stunden gehört der Tag den Schüler*innen, die an diesem Dienstag aus Köln und der Region angereist sind, um den Geburtstag der Olympischen Bewegung zu feiern.

Der Olympic Day am 23. Juni erinnert jährlich an die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Jahre 1894 in Paris. Weltweit beteiligen sich daran mehr als 100 Nationale Olympische Komitees mit Sport-, Kultur- und Bildungsangeboten. In Deutschland richtet die Deutsche Olympische Akademie (DOA) im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) das zentrale Event aus – bereits seit über zehn Jahren am selben, bewährten Ort: im DSOM am Rheinauhafen. 

Drei Runden, ein Programm 

Nach dem Warm-up mit Breaking auf der Rheinterrasse eröffnen Gemeinder, DOA-Vorständin Katja Kliewer und Museumsdirektor Dr. Andreas Höfer den Tag offiziell. Es folgen drei Programmrunden, in denen sich die Klassen abwechselnd auf Athlet*innen-Talks, Museumsführungen und Aktionsstände verteilen – ein Format, das den Schüler*innen ermöglicht, in kleineren Gruppen mit den Sportler*innen von Team D, Team D Paralympics und Special Olympics ins Gespräch zu kommen.  

EM-Qualifikation Armbrust 30m München: Die EM kann kommen!

Am vergangenen Wochenende trafen sich die besten deutschen Armbrustschützen, um in der Disziplin Armbrust 30m die Teilnehmer für die Anfang August im französischen Châteauroux stattfindende Europameisterschaft zu ermitteln. Es wurden hochklassige Resultate erzielt, trotz drückender Hitze. „Das macht Mut für die EM“, so der Bundesreferent Armbrust, Reiner Lützenkirchen. „Besonders positiv überrascht haben mich die Junioren (U23), aber in allen Klassen werden wir bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden können.“

Junioren-WM Suhl: Trap-Schützen mit Aussichten

Am drittletzten Wettkampftag der Junioren-WM in Suhl konnten vor allem die Polen jubeln: Sie siegten sowohl im Mixed mit der Luftpistole als auch im 50m Liegenschießen der Juniorinnen. Im Liegendschießen der Junioren sorgte der Amerikaner Griffin Lake für einen neuen Fabel-Weltrekord. Positive Nachrichten gab es von den deutschen Trapschützen, bei denen mit Pius Rosenecker und Karla Riehmann zwei Athleten vor der letzten Qualifikationsserie aussichtsreich platziert sind.

„Mein Selbstbild hat nicht gestimmt, jetzt fühle ich mich wieder viel mehr“

Leichtigkeit, vor allem anderen. Das, sagt Johanna Schikora, sei das Gefühl, mit dem sie in dieser Woche bei den Weltmeisterschaften im Flossenschwimmen in Südkoreas Hauptstadt Seoul in ihr voraussichtlich letztes internationales Großevent startet. Man muss ihre Geschichte kennen, um zu verstehen, wie besonders es ist, dass sie diese Leichtigkeit empfinden kann. Denn das, was die 24-Jährige in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat, kann Menschen bis zur Selbstaufgabe zermürben. Es kann sie aber auch resilient machen. Und so ist dieser Satz, den sie als eine Art Zusammenfassung ihres Leidenswegs ausspricht, vielleicht mehr wert als all die Medaillen, die sie über die Jahre gewonnen hat. „Ich fühle mich wieder viel mehr“, sagt Johanna Schikora im Abschiedsgespräch mit dem DOSB, und die Entschlossenheit, die aus ihrem Gesicht zu lesen ist, unterstreicht, dass sie es genauso meint.

Johanna Schikora, geboren und aufgewachsen in Berlin, wo sie auch heute noch lebt, galt vor einigen Jahren als Deutschlands beste Flossenschwimmerin. 2021 hatte sie in Tomsk (Russland) ihren ersten WM-Titel im Erwachsenenbereich erkämpft. Ein Jahr später wurde sie in Birmingham (USA) World-Games-Siegerin über 400 Meter. „Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Meine Paradestrecken sind eigentlich die 800 und 1.500 Meter, aber bei den World Games sind die 400 die längste Distanz. Ich bin ohne große Erwartungen angetreten, und plötzlich hatte ich Gold um den Hals. Das hat so unfassbar viel Spaß gemacht, ich kann kaum beschreiben, welche Emotionen ein solcher Erfolg freisetzt“, sagt sie.

Ihr Hang zum Perfektionismus hat etwas Selbstzerstörerisches

Was sie damals nicht ahnte: Dass der größte Erfolg ihres sportlichen Lebens bei den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten viele Gewissheiten ins Rutschen bringen würde. Die Frage, was nach einem solchen Triumph noch kommen könnte, wenn man ihn als 20-Jährige erlebt, drängte schnell in ihr Bewusstsein. Und da Johanna ein Mensch ist, in dessen Kopf niemals Ruhe herrscht, wurde sie von einer Welle überrollt, der sie auch mit der Monoflosse an den Füßen nicht gewachsen war. „Ich hatte immer das Gefühl, ich muss weitermachen, muss den Erfolg bestätigen. Das war mein innerer Antrieb, und obwohl ich fühlte, dass ich gar nicht mehr ins Wasser wollte, und alle verstanden hätten, wenn ich mir eine Pause gegönnt hätte, war das für mich niemals eine Option“, sagt sie rückblickend.

In einem eindrucksvollen Portrait, das vor einigen Wochen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien, schildert Johanna der mit ihr gut bekannten Redakteurin in schonungsloser Offenheit, dass ihr Hang zu Perfektionismus etwas Selbstzerstörerisches in sich birgt. Nicht nur im Sport wollte sie stets die Beste sein. Sie schloss das Abitur mit der Traumnote 1,0 ab, beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ war sie Bundespreisträgerin im Klavierspielen. „Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich Anerkennung dafür bekomme, wenn ich Außergewöhnliches leiste. Also habe ich daraus geschlossen, dass ich nichts wert bin, wenn ich nichts leiste. Das habe ich so sehr verinnerlicht, dass eine Pause vom Leistungssport in meiner Gedankenwelt gar nicht vorkam“, sagt sie im DOSB-Interview.

Mit 16 Jahren zeigte sich erstmals eine Essstörung bei Johanna

Bereits mit 16 Jahren hatte sich eine Essstörung manifestiert, weil Johanna Ungesundes vom Speiseplan strich. Während der Corona-Zeit sorgte die Einsamkeit für eine Verschlechterung, sie begann, sich nach dem Essen zu erbrechen. Mittels eines Ernährungsplans konnte sie ihren Zustand stabilisieren und in den Folgejahren die größten sportlichen Erfolge einfahren. Doch nach der emotionalen Berg- und Talfahrt im Jahr 2022 nahmen die Probleme wieder zu, weil sie unterbewusst spürte, dass weniger Essen zu weniger Leistung und damit auch zu weniger Leistungsdruck führen könnte. Die Quittung für diesen Raubbau reichte ihr Körper bei der WM 2024 in Serbiens Hauptstadt Belgrad ein. Sie wurde Weltmeisterin über 1500 Meter, konnte aber zum Finale über 400 Meter nicht mehr antreten, weil ihre eine Bandscheibenvorwölbung unerträgliche Schmerzen bereitete.

In die Erleichterung, eine plausible Ausrede dafür zu haben, nicht mehr schwimmen zu müssen, mischte sich schnell das Gefühl der Unvollkommenheit und die Angst davor, was sie ohne ihren Sport überhaupt noch darstellen würde. Im März 2025 brach Johanna endgültig zusammen – und entschied, sich in eine Fachklinik für Essstörungen zu begeben. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückte sie bei ihren Eltern, die sich die gesamte Karriere über intensiv um ihre Tochter gekümmert hatten. Drei Monate blieb sie im Krankenhaus, wo sie lernte, Essen nicht als Feind zu betrachten. Nur einen Monat nach der Entlassung trat sie, völlig außer Form, bei den World Games in Chengdu (China) an. Im Einzelrennen über 400 Meter wurde sie mit fast 20 Sekunden Rückstand auf Gold Letzte, in der Staffel reichte es ebenfalls nicht zu mehr.